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Erarbeitet wurde die Ausstellung "Bunte Welt der Meeresmuscheln" von Mitgliedern des Naturwissenschaftlichen Vereins der Niederlausitz e.V.. Der Autor der Ausstellung ist Dipl.-Geol. Rolf Striegler unter Mitwirkung von Dipl.-Geol. Ursula Striegler sowie weiteren vier Vereinsmitgliedern. Das Material lieferten Mitglieder und Freunde des Vereins. Ziel der Ausstellung ist die Schönheit einer Tiergruppe mit ihren herrlichen Farben und manchmal bizarren Formen vorzuführen, die im Leben der Menschen seit Urzeiten als Nahrung, Werkstoff und Schmuck eine Rolle spielt. Die Autoren der Ausstellung, welche hier das Ergebnis eigener Freizeitbeschäftigung vorführen, möchten damit eine Anregung zu der Beschäftigung mit der Natur zu geben und vor allem Jugendliche zu einer sinnvollen Freizeitgestaltung zu ermutigen.
Es werden gezeigt: 1) 300 heutige Muschel- und Schneckenarten (nur Meeresarten, ca. 600 Einzelstücke), die einerseits systematisch angeordnet sind (10 Vitrinen), andererseits 2 Meeresgebieten zugeordnet sind (Atlantik und Indopazifik werden vergleichend betrachtet; 4 Vitrinen) 2) Ergänzt wird die systematische Sammlung durch etwa 50 Fossilien zur Entwicklungsgeschichte der Muscheln und Schnecken sowie des Tierstammes der Weichtiere überhaupt, sowie durch 3) drei Vitrinen mit Gebrauchsgegenständen, Schmuck und "Muschel"geld von den Völkern Ozeaniens (vor allem aus Neuguinea, Bismarck-Archipel, Salomon-Inseln) 4) vorangestellt sind der systematischen Abhandlung eine Vitrine zur
LEBENSRÄUME UND VERBREITUNG Jede Weichtier-Art benötigt bestimmte Umweltbedingungen, um leben zu können. Gebiete gleicher oder ähnlicher Lebensbedingungen für Weichtiere bezeichnet man als Mollusken-Provinzen, wobei diese Einteilung auch für die übrige Meeresfauna Gültigkeit besitzt. Die einzelnen Provinzen werden vor allem durch Molluskenarten charakterisiert, deren Verbreitung eng begrenzt ist. Die Entstehung dieser Provinzen ist das Ergebnis eines Jahrmillionen langen Entwicklungsprozesses und eng mit der Formierung der Ozeane (Kontinentaldrift) verbunden. Da die meisten uns zugänglichen Muschelarten nur auf dem Kontinentalschelf (bis 2-300 m Wassertiefe) leben können, besitzen die für sie lebensfeindlichen Tiefseebereiche der Ozeane eine isolierende Wirkung in Ost-West-Richtung. Dagegen wird die Differenzierung in Nord-Süd-Richtung auch durch klimatische Faktoren (Sonneneinstrahlung, Wassertemperatur, Salzgehalt u.a.) bedingt. Die größte Molluskenprovinz, die indopazifische Provinz, umfaßt die tropischen Bereiche des Indischen und Pazifischen (Stillen) Ozeans vom Roten Meer, Ostafrika und Madagaskar über die indonesisch-philippinische Inselwelt und Nordaustralien bis in den zentralen Pazifik mit Hawaii im Norden und der Osterinsel im Süden. Die amerikanische Küste umfaßt andere Molluskenprovinzen. Diese Einteilung ist eng an die Entstehung und Weitung beider Ozeane gebunden. Die Bildung des Indischen Ozeans hat während der Jura-Zeit begonnen, als der große Südkontinent Gondwana auseinanderbrach und die späteren Kontinente Afrika, Antarktika, Australien und Indien sich voneinander trennten. Der Pazifische Ozean hat schon vorher existiert, doch sind seine ältesten Bereiche durch Unterschiebung der pazifischen Platte verschwunden. Die heute ältesten Teile des Pazifik haben als älteste Schichtbedeckung Jura-Sedimente, sind also auch nicht älter als jurazeitlich. Dieser älteste Bereich liegt östlich der Philippinen. Es scheint kein Zufall zu sein, daß bei einigen Weichtier-Gruppen im Bereich der Philippinen die höchste Arten-Konzentration besteht, z.B. bei den Porzellanschnecken und den Kegelschnecken. Möglicherweise breitet sich von hier ein Teil der Weichtier-Gruppen über den Pazifik aus, was nur durch die frei als Plankton beweglichen Mollusken-Larven möglich ist. Die zahlreiche pazifische Inselwelt dient hierbei als ökologische Trittbretter, denn die Larven haben nur begrenzte Lebensdauer, dann müssen sie zur Entwicklung einen Schelf oder ein Korallenriff erreicht haben. Das Beispiel der Kegelschnecken mag das Vordringen der Weichtiere nach Osten verdeutlichen. Von insgesamt 316 indopazifischen Kegelschnecken-Arten haben immerhin 34 Arten die Hawaii-Inseln erreicht, aber nur 3 Arten die Osterinsel und ebenfalls nur 3 Arten die Westküste Mittelamerikas. Der ausgestellte Hebräische Kegel hat sowohl die Osterinsel als auch West-Mexiko erreicht, der ebenfalls ausgestellte Mosaikkegel nur West-Mexiko. Entlang der westamerikanischen Küste existiert ebenfalls eine tropische Molluskenprovinz, die panamaische Provinz, die kaum Beziehungen zur indopazifischen Provinz hat. Zwei von hier stammende Kegelschnecken (Conus patricius, Conus poormani) werden gezeigt. Nach Norden und Süden schließen sich auf beiden Seiten des Indopazifik Molluskenprovinzen im gemäßigten Klimabereich an:
Auf Grund der ausgedehnten Landmassen im Norden folgt hier noch eine weitere Provinz, bevor die gesamte Arktis durch die arktische Provinz eingenommen wird:
Zwischen diesen klimatisch bedingten Provinzen findet ebenfalls ein Austausch statt. So dringen tropische Arten nach Norden, während arktische Elemente nach Süden vordringen (Beispiel: Wellhornschnecken, Japanische Sandklaffmuschel und Japanische Felsklaffmuschel) bis in die japanische Provinz. Auch im Süden findet eine solche Vermischung statt. An der australischen Ostküste gibt es in Queensland einen Bereich, wo indopazifische (z. B. Seeohr und Tritonshörner) und australische (z.B. Austrocochlea) Weichtierarten mit einander vorkommen. Atlantik Die Formierung des Atlantischen Ozeans begann - wie die des Indischen Ozeans - in der Jura-Zeit durch Auseinander-Driften von Bruchstücken des ehemaligen Gondwana-Kontinents. Die Trennung von Afrika und Südamerika fand etwas früher statt als die Trennung von Europa und Nordamerika. Die Bildung der Molluskenprovinzen ist eng mit der Entwicklung des Atlantiks verbunden. Anders als im Indopazifik fehlt dem Atlantik aber die reiche Inselwelt, so daß die geringeren Entfernungen von Küste zu Küste von den Molluskenlarven nur in wenigen Fällen bewältigt werden konnten. Folgende Arten haben den Sprung von einer Küste zur anderen geschafft:
Auf beiden Seiten des Südatlantik haben sich unterschiedliche tropische Molluskenprovinzen herausgebildet:
Im Süden schließen sich in der gemäßigten Zone auf
Weiter im Süden folgt dann um die südatlantischen Inseln und die Südspitze Südamerikas
Die Nord-Süd-Erstreckung der beiden Kontinente behinderte hier den Faunenaustausch zwischen Atlantik und Pazifik. Dieser Austausch fand aber zeitweise im Norden statt. Einerseits gab es im Tertiär zeitweise eine Meeresverbindung zwischen Karibik und Ostpazifik, die einen Faunenaustausch ermöglichte. Dadurch kommt eine große Anzahl ähnlicher Arten in beiden Gebieten vor, die sich erst seit dem Jungtertiär, seit die Landbrücke zwischen Nord- und Südamerika besteht, auseinander entwickelt haben. Ein Beispiel dafür ist die Gattung Crucibulum der Septenschnecken, die ihr Hauptverbreitungsgebiet beiderseits von Mexiko hat. Architectonica maxima
Auch andere Schneckengruppen, die im Indopazifik in großer Artenzahl vertreten sind, führen im Atlantik eher ein bescheidenes Dasein: die Porzellanschnecken, die Kegelschnecken, die Mitraschnecken, die Walzenschnecken, die Schraubenschnecken. Ein weiterer Austausch der Molluskenfauna zwischen Atlantik und Pazifik könnte während des Tertiärs über das Mittelmeer stattgefunden haben, denn das Mittelmeer ist Rest des großen Ost-West-gerichteten Ozeans Tethys, der durch die alpidischen Gebirgsbildungen zwischen Afrika und Europa allmählich geschlossen wird. Aber in den Tertiärablagerungen z.B. von Italien sind noch indopazifische Elemente enthalten, die später aus dem Mittelmeer verschwunden sind. Der pliozäne Conus betuloides erinnert an den pazifischen Conus betulus. Heute gibt es im Mittelmeer nur noch die kleine Mittelmeer-Kegelschnecke, die keinerlei Ähnlichkeit zu C. betuloides besitzt. Außerdem kommt im italienischen Jungtertiär eine Schraubenschnecke und eine Flügelschnecke vor. Heute gibt es aus beiden Gruppen im Mittelmeer keine Vertreter mehr, wenn man von einer Flügelschnecken-Art (Strombus decorus) absieht, die erst in jüngster Zeit über den Suez-Kanal in das östliche Mittelmeer eingewandert ist. Nördlich der tropischen Molluskenprovinzen auf beiden Seiten des Atlantiks folgen in Amerika
Nördlich folgt auf beiden Seiten des Atlantik die boreale Provinz, der in Europa die Nordsee und die Ostsee angehören. Beide Seiten haben einige gemeinsame Arten, z.B. die Islandmuschel (Arctica islandica), die Sandklaffmuschel (Mya arenaria) u.a. Die ebenfalls in Amerika und in der Nordsee auftretende Pantoffelschnecke Crepidula fornicata ist von Amerika nach Europa eingeschleppt worden. Das gilt auch für andere Arten. Verbindungen zwischen den Ozeanen erfolgten über
die arktischen Provinz. Hier gibt es einige Arten, die sowohl
im Atlantik als auch Pazifik vorkommen, etwa die beiden Sandklaffmuscheln
Mya arenaria (Atlantik) und Mya japonica (Pazifik), deren Schalen man
praktisch kaum unterscheiden kann. |
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