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Schatzgräber - Cottbuser Mineraliensammler stellen aus

Wer denkt bei dem Begriff "Schatzgräber" nicht unwillkürlich an Goethes gleichnamiges Gedicht:

Arm am Beutel, krank am Herzen,
schleppt ich meine langen Tage.
Armut ist die größte Plage,
Reichtum ist das höchste Gut.
Und, zu enden meine Schmerzen
ging ich, einen Schatz zu graben.
Meine Seele sollst du haben,
schrieb ich hin mit eignem Blut.

Doch von dieser Mentalität sind die Schatzgräber, um die es in dieser Ausstellung geht, nicht. Sie haben weder ihre Seele dem Teufel verschreiben müssen, noch sind sie krank am Herzen. Gerade durch ihre spezielle Beschäftigung, das Sammeln von Mineralien und Fossilien, bewahren sie sich Lebensfreude und Optimismus. Freilich mögen sie teilweise etwas arm am Beutel sein, da diese Spezies Mensch bereit ist, für sein Hobby jedes Opfer zu bringen, was aber keineswegs als Opfer empfunden wird. Es ist ein intensiver Sammeltrieb, der hier zum Ausdruck kommt und der wohl als Rückerinnerung an die graue Vorzeit gelten mag, als man die Menschen in Jäger und Sammler einteilte. Das gilt in gleichem Maße natürlich auch für die Sammler von Briefmarken, Münzen, Bierdeckeln, Modelleisenbahnen usw.

Echte Schatzgräber sind diese Mineralien- und Fossiliensammler, die auf Sammelexkursionen, ob an den Wochenenden oder im Urlaub, mit Rucksack und Hammer unterwegs sind, um interessante und schöne, möglichst auch noch seltene Mineralstufen oder Fossilien aufzuspüren, diese vorsichtig zu bergen und nach Hause zu befördern, ohne daß auch nur ein Kristall abbricht. Nachträgliches Kleben von Mineralen spricht nicht für Geschmack. Bei den Fossilien ist der Ehrenkodex nicht ganz so streng. Zu Hause sind die Funde dann zu säubern, zu bestimmen, in einer Kartei zu erfassen und sorgsam unterzubringen, die schönsten für jeden sichtbar im Wohnzimmer.

Wer schon einmal in einer Erzgrube gestanden hat, im Licht der Grubenlampe einen Erzgang mit funkelnden Kristallrasen vor sich oder wer schon einmal echte Edelsteine "geseift" hat, der kennt das Fieber, das den Sammler dann in solchen Situationen packt, das ihn vergessen läßt, daß er vielleicht gerade im eiskalten Wasser steht. Erregend ist es, im Sieb oder in der Pfanne einen schönen Edelstein blinken zu sehen, sei es z.B. einen rötlichgelben Hyazinth, wie man ihn früher auf der Hohwiese in der Sächsischen Schweiz finden konnte, oder ein glänzendschwarzes Körnchen von böhmischen Granat, das erst durch einen Sonnenstrahl seine feurigrote Farbe offenbart. Ähnlich prickelnd ist es, Millionen Jahre altes Leben, konserviert im Gestein, der Erde zu entreißen, gar neue Arten zu entdecken.

Diese Schätze der Erde sind weniger Schätze, weil sie vielleicht einen finanziellen Wert darstellen können, vielmehr erfüllen sie uns mit Entdeckerfreude, begeistert uns ihre Schönheit, sind wir stolz, eine Seltenheit gefunden zu haben. Nicht zuletzt sind es Schätze von oftmals großem wissenschaftlichen Wert. Und gerade hier liegt eine nicht zu unterschätzende Aufgabe der vielen privaten Sammler, wenn sie ihr Hobby mit Ernsthaftigkeit, Sachkenntnis und Verantwortungsbewußtsein betreiben. Ihre Sammlungen sind oftmals Grundstock oder Bestandteil von musealen Sammlungen. Welches Museum könnte es sich leisten, mit so viel Zeitaufwand wie die privaten Sammler seine Sammeltätigkeit durchzuführen? Nicht gerechnet Hartnäckigkeit, Spürsinn und vor allem auch Glück, die dem erfahrenen Sammler Erfolg bringen. Deshalb sollten Museen und private Sammler stets zusammenarbeiten zum gegenseitigen Nutzen. Funde von größter wissenschaftlicher Bedeutung gehören in ein Museum. Sammlungen, die in Jahrzehnten zusammengetragen wurden und das Lebenswerk eines Sammlers darstellen, sollten nicht wieder zerstreut, sondern von Museen erworben und bewahrt werden.

Die Empfindungen der modernen Schatzgräber, um die es in dieser Ausstellung geht, werden vielleicht durch folgendes Gedicht unseres Sammlerfreundes Reiner Ulbrich wiedergegeben - Geheimrat Goethe wird uns verstehen, denn er hat seinerzeit die gleichen Sammlerfreuden genossen, wie seine bis heute bewahrten umfangreichen geologischen Sammlungen beweisen:

Minerale
Wunder der Formen und Farben.
Blüten aus dem Reich Plutos und Neptuns
in rot, gelb, grün, blau und weiß.
Grundlagen der Wissenschaft und Industrien.
Freiheit und Ordnung der Materie.
Ausschwitzungen und Lächeln der Erde.
Jungbrunnen des Liebhabers.
Beflügler der Phantasie.
Köstlichkeiten in Büchern.
Verführer im Gedicht.
Abenteuer des Suchens und Findens.
Geheimnisse der Höhlen.
Künder aus fremden Ländern.
Heiler und Beflügler.
Reichtum der Truhen.
Schmuck der Steine und Frauen.
Erze, Kristalle, Achate.
Edelsteine, Silber und Gold.
Druse als Blumenstrauß.
Diamanten in Kronen.

Abb.: Eine der zahlreichen Vitrinen der Ausstellung
(Foto: I. Hölzel)

Eine der zahlreichen Vitrinen der Ausstellung (Foto: I. Hölzel)Unsere Ausstellung ist anläßlich des 20jährigen Jubiläums der Fachgruppe Geologie/Mineralogie des Naturwissenschaftlichen Vereins der Niederlausitz entstanden und zeigt die besten Funde aus unserer langjährigen Sammeltätigkeit. Gleichzeitig möchte sie auch mit anderen geologischen Sammlern aus Cottbus bekannt machen, wie Dr. Kurt Elze, Erich Röming, Dr. Otto Rindt und Hans Werner Buchholz. Vieles, was hier gezeigt wurde, ist in den Fundus des Museums der Natur und Umwelt Cottbus eingegangen.

Die Sonderausstellung der Fachgruppe Geologie/Mineralogie des Naturwissenschaftlichen Vereins der Niederlausitz e.V. war vom 3.April bis 9.Juni 1996 im Museum der Natur und Umwelt in Cottbus zu sehen.

Fachgruppe Geologie/Mineralogie


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