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Die Nachtigall - Vogel des Jahres 1995

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Die Nachtigall Luscinia megarhynchos L.

Kennzeichen

Etwa sperlingsgroß (16,5 cm). Oberseite einfarbig braun, Unterseite hell braungrau. Schwanz braunrot. Jungvogel gefleckt und gesprenkelt wie ein junges Rotkehlchen, aber leicht an der größeren Gestalt, am rotbraunen Schwanz und an der helleren Unterseite zu unterscheiden.
Die Nachtigall kann mit dem Sprosser verwechselt werden, bei dem aber die Brust mehr oder weniger kräftig dunkel geschuppt ist.

Nachtigall (Präparat des Museums der Natur und Umwelt Cottbus)
Nachtigall
Präparat des
Museums der Natur und Umwelt Cottbus

Stimme

Der Lockton lässt sich am besten mit "hüit" wiedergeben. Bei Störungen in Nestnähe lässt sie ein tiefes Knarren hören, das wie "karr" klingt. Der Gesang gehört mit zu den schönsten Vogelliedern unserer Heimat. Gesang reich, laut und wohltönend, aus Strophen dicht gereihter Einzel- oder Doppeltöne bestehend; charakteristisch ein langsames "dü, dü, dü" und Schmetterstrophen. Nachtigallen singen nicht nur am Tage recht häufig, sondern auch bei Nacht aus dichter Deckung oder von niedriger freier Warte.

Verbreitung

Die Nachtigall bewohnt das europäische Festland und das südliche England. Im Osten bildet eine vom westlichen Mecklenburg zur westlichen Ukraine verlaufende Linie die Verbreitungsgrenze. Im Norden bzw. Nordosten schließt sich das Verbreitungsgebiet des Sprossers an. In den Grenzgebieten kommen beide Arten nebeneinander vor.

Lebensraum

Die Nachtigall bewohnt dichte Laubwälder, besonders gern in feuchtem Gelände, Ufergebüsch, größere nicht zu trockene Feldgehölze mit dichtem Unterholz, buschreiche Parkanlagen und verwilderte Gärten. In Mitteleuropa größtenteils im Flachland (unter 300-400m).

Brutgebiet
Winterquartier

Nahrung

Würmer und Insektenlarven oder kleine glatthäutige Räupchen, im Herbst verschiedene Beeren, bilden die Nahrung der Nachtigallen. Sie lesen diese meist vom Boden auf, nach fliegenden Insekten sieht man sie selten jagen.

Wanderungen

Die Winterquartiere der Nachtigall liegen in Südarabien und im mittleren Afrika. Die Brutplätze werden in der letzten April- und ersten Maidekade besetzt. Die früheste Beobachtung am 14. April. Der Wegzug ist sehr unauffällig. Registrierfänge ergaben erste Zugbewegungen ab Anfang Juli und einen Höhepunkt in der ersten August-Dekade. Letzte Beobachtung vom 19. November.

Fortpflanzung

Brutzeit vom zweiten Maidrittel an bis Mitte Juni. Es findet meist nur eine Brut statt. Normale Zweitbruten kommen nur ausnahmsweise unter besonders günstigen klimatischen Bedingungen vor. Das Nest steht unmittelbar am Boden oder doch zumindest dicht darüber und nur ausnahmsweise höher. Das Nest ist nicht leicht zu entdecken, weil die zum Bau verwandten Stoffe meist der Umgebung des Nestes gleichen. Der Unterbau besteht aus altem Laub, das Innere aus Halmen, Moos und Würzelchen. Die Nestmulde ist mit Hälmchen, Pferdehaaren und Rispen ausgelegt. Das Nest wird vom Weibchen allein gebaut. Das Gelege besteht meist aus fünf, selten sechs, gelegentlich auch nur aus vier olivbraunen Eiern. Eiablage täglich; Brutbeginn nach Ablage des letzten Eies. Das Gelege wird nur vom Weibchen in 13-14 Tagen ausgebrütet. Die Jungen, die von beiden Elterngefüttert werden, verlassen mit 11-12 Tagen das Nest, werden aber noch bis zum Alter von 26 Tagen betreut.

Bestandsdichte

In Deutschland ist die Nachtigall nur stellenweise häufig und fehlt auf weite Strecken hin völlig. Das Vorkommen der Nachtigall ist auf das Flach- und Hügelland beschränkt, da sie schon in Höhen von 300-400m nicht mehr vorkommt. Die Siedlungsdichte schwankt in den verschiedenen Lebensräumen erheblich. Die bestimmenden Faktoren sind nicht ausreichend bekannt. Nachfolgend einige Angaben aus Brandenburg/ Berlin und der Oberlausitz (Brutpaare je 10ha):

Park Wuhlheide 0,5-1,0 BP
Neuer Garten Potsdam 0,8-2,3 BP
Park Muskau 1,2 BP
Berliner Friedhöfe 3,1 BP
Golmer Luch 6-9 BP
Auwaldrest 5,4-10,8 BP
Laubgehölze an Gewässern 4,5-10 BP

Bestandsveränderungen

Die in der Vergangenheit wiederholt beobachtete Bestandsabnahme und -erholung sind bedingt durch die Nähe zum Rand des Verbreitungsgebietes. Nach der letzten großräumigen Zunahme nach 1930 gab es keine wesentlichen Bestandsveränderungen. In den letzten 25 Jahren verringert sich der Bestand in verschiedenen Gebieten durch Biotopvernichtung (flächige Betonierung o.ä. in Städten und Gemeinden und sogenannte Flurneugestaltung in der Feldmark)

Historisches

Die Akte des Magistrats von Forst, betreffend die Erhebung der Nachtigallensteuer, umfasst 44 Seiten und beginnt im Jahre 1849. Auf dem ersten Blatt der Akte, vom 10. Mai 1849, ist zu lesen:
"Der Schonsteinfeger Lange scheint eine Nachtigall zu halten, wenigstens habe ich eine solche bereits mehrfach aus seiner Wohnung heraus schlagen hören. Da derselbe die Nachtigall weder polizeilich gemeldet hat, noch die Steuer mit 5 Reichstalern nach der Verordnung vom 23. April 1843 entrichtet, so ist der Lange durch Person ... vorzuladen und zur Sache zu vernehmen."
Viele Bürger der Stadt Forst deklarierten ihren Käfigvogel als Sprosser, um die Nachtigallensteuer zu umgehen. Die Stadtverordnetenversammlung von Forst beschließt daraufhin: "Dass der Sprosser, auch Rothvogel oder polnische Nachtigall genannt, ebenfalls eine Nachtigall sei ..., wie es z.B. als eine große Lächerlichkeit erachtet werden müsse, wenn man bei einer Verordnung über Pferde die Ponys besonders erwähnen wollte."
Immerhin reicht die Akte bis ins Jahr 1881, unterdessen musste man bei der Haltung einer deutschen oder polnischen Nachtigall 15 Mark jährliche Steuern zahlen.

Quellen

NVN-Faltblatt zum "Vogel des Jahres": Ursula und Wolfgang Prußkel

Literatur:
[1] Hartmann, W.: Selbst die Nachtigall war einmal versteuert. - Der Falke 1955, 205-206.
[2] Jonsson, L.: Die Vögel Europas - Kosmos Naturführer, Stuttgart 1992.
[3] Makatsch, W.: Die Vögel in Haus, Hof und Garten - Neumann-Verlag, Radebeul 1957.
[4] Makatsch, W.: Die Eier der Vögel Europas - Neumann-Verlag, Leipzig Radebeul 1976.
[5] Schälow, E. Wendland, V.: Sang da nicht die Nachtigall? Verlag J. Neumann-Neudamm Melsungen 1966.
[6] Rutschke, E.: Die Vogelwelt Brandenburgs - Jena 1983.

Bildnachweis:
[7] Needon, Dr. Petermann, Scheffel, Scheiba: Pflanzen und Tiere - Ein Naturführer, Urania-Verlag - 9. Auflage 1980

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Verweis


Ludwig Leichhardt - "Humboldt Australiens"


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