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Die Silberdistel - Blume des Jahres 1997

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Silberdistel [Foto: S. Striegler]Als Blume des Jahres 1997 wurde die Silberdistel Carlina acaulis L. gewählt. Die Pflanze, die zur Familie der Korbblütler Asteraceae gehört, war einst wohl weiter verbreitet, als es heute der Fall ist. Sie hat viele Namensbezeichnungen wie Große Eberwurz, Wetterdistel, Stengellose Eberwurz u. a. Diese Namensbezeichnungen sind vom Aussehen der Pflanze abgeleitet.

Beschreibung

Die bis zu 10 cm und darüber auffallend große Blüte dieser ausdauernden Pflanze erscheint im Juni bis September. Sie befindet sich an einem mehr oder weniger liegenden Stengel. Die Blüte besteht aus weißen bis bräunlichweißen Röhrenblüten. Die inneren Hüllblätter sind länglich strahlend weiß. Die Blütenblätter sind trockenhäutig und schimmern bei Lichteinfall. Wegen der Röhrenblüten kann die Bestäubung dieser Pflanze nur durch langrüsslige Insekten erfolgen. Eine Ausbreitung ist auch durch Käfer, durch den Wind oder durch Vögel möglich.
Der Stengel ist meist nicht beblättert. Die Grundrosette erinnert an typische Blätter von Disteln. Sie sind tief buchtig fiederspaltig in stechende Zipfel auslaufend. Die Blattunterseite ist dicht spinnwebig-wollig behaart.
Die Silberdistel ist in der Lage, tiefe Pfahlwurzeln auszubilden.

Standort / Verbreitung

Die licht- und wärmeliebende Pflanze weist auf lufttrockene lichte und gut erwärmbare Standorte hin. In der Niederlausitz ist diese Pflanze nicht beheimatet. Besondere Standortansprüche schränken ihr Vorkommen beträchtlich ein.
Es sind mehrere Rassen nachgewiesen., die östliche (Carlina acaulis ssp. acaulis) wurde vereinzelt im östlichen Erzgebirge gefunden. Fundorte in der mittleren Oberlausitz und bei Annaberg sind erloschen. Eine westliche Rasse (Carlina acaulis ssp. simplex) umfaßt die thüringischen Hügelländer mit dem Schwerpunkt in den Muschelkalkgebieten und ist daher auch dort auf ein begrenztes Verbreitungsareal beschränkt, kann aber ostwärts bis zur Weißen Elster und dem Vogtland (über Diabasvorkommen) vordringen.
Die nördliche Verbreitungsgrenze liegt im Gebiet des nördlichen Harzvorlandes. Obwohl die Ausgangsgesteine der Böden variieren können, werden kalkhaltige Substrate bevorzugt.
Die mineralischen Sandstandorte, und azidophilen, meist mächtigen Sanddecken, wie wir sie häufig in den altpleistozänen Landschaften der Niederlausitz finden, können nicht besiedelt werden.

Besonderheiten

Die Eigenschaften dieser bewehrten Pflanze machen sie zu einer typischen Hutungspflanze. Hutungen waren meist fernab der Siedlungen, auf denen sich eine landwirtschaftliche Bewirtschaftung nicht lohnte. Solche Standorte wurden lediglich sporadisch genutzt, man hat in diese Standorte nicht "investiert", indem man sie düngte. Auf diesen mageren Flächen konnten sich häufig wärmeliebende Pflanzen ansiedeln, die sich gegen das Abweiden durch Stacheln oder Dornen wehren konnten. Sie waren gegen Überhitzung durch bestimmte Ausbildungen geschützt. (Die Silberdistel kann sich durch die spinnwebig-wollige Blattunterseite schützen.) Das Vorkommen der Silberdistel ist an die Beweidung gebunden. Die Pflanze zieht sich nach Aufgabe der Beweidung allmählich zurück. Bei zunehmender Umwandlung der Vegetationsdecke in ein wärmeliebendes Gehölz kann die Silberdistel nicht mehr existieren.

Die trockenen und mageren Hutungen blieben den Schafen oder den Ziegen vorbehalten. So trugen die im vorigen Jahrhundert bis in die Nachkriegsjahre nach 1945 reichenden Nutzungsformen zum Erhalt der Hutungspflanzen bei.
In der alten Volksheilkunde wurden die Wurzeln der Silberdistel als harntreibendes Mittel angewandt. Die Blütenboden wurden dem Viehfutter beigemischt. Von den Almhirten sollen sie als "Jägerbrot" verzehrt werden.
Der Name Wetterdistel bezeichnet die Eigenschaften der trockenhäutigen Blütenblätter. Bei feuchter Witterung bewegen sie sich nach innen, bei Lufttrockenheit spreizen sie weit nach außen aus.

Andere Arten

Eine nahe Verwandte ist die Golddistel Carlina vulgaris L. (siehe Abb. rechts). Sie kann von der Silberdistel gut unterschieden werden, da ihre Blüten wesentlich kleiner (2-3 cm) sind. Die häutigen Hüllblättchen sind nicht weiß, sondern goldgelb glänzend. Ein Stengel kann mehrere Blüten ausbilden. Die Pflanze wird bis 30-50 cm hoch. Die Golddistel besiedelt ebenfalls kalkholde Standorte, ist jedoch wesentlich häufiger. Auch sie wird durch die Beweidung gefördert. Die Golddistel könnte an ehemaligen Weideplätzen, heute lichten Strukturen in Wäldern noch zu finden sein. Derartige Vorkommen wären potentionell im ehemaligen Kreis Guben, an den Hängen des Neißetales oder der Spree möglich. Auch in Bereichen des Niederlausitzer Grenzwalles mit ursprünglicher Weidenutzung wäre sie zu erwarten (Jehserig-Papproth, Steinitz-Geisendorf). Ein Standort hat sich in der Nähe des Geisendorfer Weinbergs erhalten.

Schutz

Die Silberdistel Carlina acaulis ist gesetzlich geschützt und bundesweit gefährdet.
Die mit ihr verwandte Goldistel Carlina vulgaris ist aktuell im Land Brandenburg nicht gefährdet. Aus regionaler Sicht mußte sie 1989 in die Rote Liste der gefährdeten Pflanzen- und Tierarten im Bezirk Cottbus aufgenommen werden. Zu diesem Zeitpunkt war die Silberdistel im Gebiet als ausgestorben gemeldet worden.
Die Biotope, in denen die Pflanzen vorkommen, sind in Brandenburg und bundesweit stark gefährdet.
Das Vorkommen der isolierten und kleinflächigen Biotope mit der Golddistel ist in Brandenburg auf die jüngeren Glaziallandschaften oder besonders exponierte Nischenstandorte im Altglazial beschränkt. Morphologie und Weidenutzung auf ärmeren Standorten spielen eine entscheidende Rolle. Durch Nährstoffeinträge oder Rückgang der Beweidung verschwinden diese Biotope.
Beide Arten werden in ihrem Vorkommen zusätzlich eingeschränkt, da entsprechende kalkhaltige Standorte heute meist forstwirtschaftlich genutzt werden, denn die Wirtschaftsbaumarten bringen hier sehr gute Wuchsleistungen.
In den Kalkgebieten des wärmebegünstigten Süddeutschlands ist die Pflanze noch weit verbreitet.

Ein Wort an die Gärtner und Pflanzenliebhaber

Die vorgestellten Pflanzen sind für den Blumenliebhaber nicht ohne Reiz, selbst wenn sich die Schönheit nur "auf den zweiten Blick" erschließt. Die Beobachtung der sich einrollenden Hüllblätter bei wechselnder Luftfeuchtigkeit mag eine interessante Naturbeobachtung sein oder eine Serie von bemerkenswerten Naturfotos ermöglichen.
Unsere Ausführungen haben aber auch gezeigt, daß selbst die so robust erscheinende Pflanze ein zartes Gebilde ist, das nur in einem bestimmten Bedingungsgefüge lebensfähig ist. Deshalb legt der Gesetzgeber fest, daß Entnahmen aus der Natur verboten sind. Sie werden mehr Freude an diesen bizarren Blütenpflanzen haben, wenn Sie sich für Ihren Garten eine bearbeitete Züchtung der Silberdistel oder der Golddistel kaufen.

Quellen

NVN-Faltblatt zur "Blume des Jahres": Brigitte Schneider & Iris Striegler

Literatur/ Bildnachweis:
[1] AICHELE (1986)
[2] BLAB u.a. (1984)
[3] Bundesartenschutzverordnung 1989
[4] DÜLL & KUTZELNIGG (1992)
[5] Naturschutzgesetz Brandenburg
[6] Rote Liste Bezirk Cottbus (1989)
[7] Rote Liste Brandenburg (1993)
[8] SCHAUER & CASPARI (1989)
[9] SCHUBERT u.a. (1995)
[10] WEYMAR (1988)

[11] Foto: S. Striegler

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