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Die Holz-Birne - Baum des Jahres 1998

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Holz-Birne

Abb. Holz-Birne

Die Holz-Birne oder Wild-Birne (Pyrus pyraster)
Die Birne gehört zur Familie der Rosengewächse, ebenso wie die anderen Obstgattungen Apfel, Pflaume, Kirsche, Pfirsich, Quitte, aber auch Weißdorn, Mehlbeere, Eberesche, Brombeere und die krautigen Gewächse wie Erdbeere und Fingerkraut.
Zur Gattung Birne gehören etwa 30 Arten, die von Europa bis Ostasien, Nordafrika, Iran und Himalaja vorkommen.

Die systematische Zuordnung der Holz-Birne ist nicht ganz eindeutig. Sie kann als selbständige Art Pyrus pyraster (L.) BURGSD. aufgefaßt werden oder nur als Varietät Pyrus communis L. var. pyraster. Im zweiten Fall würde sie zusammen mit der Kultur-Birne zu einer Art gehören.
Im Unterschied zur Kultur-Birne ist die Holz-Birne bedornt. Kurze Seitenzweige enden oft mit einem kräftigen Dornen.
Der Holz-Birnenbaum kann bis zu 20 m hoch werden. Die Rinde ist dick, im Alter fast schwarz und durch zahlreiche Längs- und Querrisse geteilt. Junge Triebe sind behaart, später kahl, braun, glänzend.

BlattDie Blätter sind rundlich bis eiförmig, oberseits glänzend, anfangs etwas behaart, dann kahl, 3-5 cm lang und auch fast so lang gestielt. Der Rand ist fein gesägt, oft bewimpert. Die Blätter haben sechs bis acht Seitennervenpaare. Dazwischen sind weitere Nerven höherer Ordnung, die vor allem im Randbereich charakteristische Schlingen bilden.
Die Blüten, die Ende April bis Anfang Mai vor dem Laubaustrieb erscheinen, sind zwittrig und auf Fremdbestäubung von einem anderen Baum angewiesen. Sie sitzen an Trugdolden. Die Früchte sind 1,5 bis 3 cm groß, rundlich oder eiförmig, gelb, meist braun gefleckt, mit einem voll entwickelten Kelch im Reifezustand. Die Fruchtstiele sind fast so lang wie die Früchte. Das Fruchtfleisch ist durch sog. Steinzellen mit besonders verstärkten Zellwänden hart und holzig, also ungenießbar (Holz-Birne !). Die Birnen können über 200 Jahre alt werden und einen bis 1 m dicken Stamm bekommen.

Die Holz-Birne ist von Westeuropa bis zum Kaukasus verbreitet. Sie ist wärmeliebend und kommt in Auwäldern, Eichen-Hainbuchen-Wäldern, Eichen- und Kiefern-Trockenwäldern und in Schlehengebüschen vor. So ist die Wild-Birne in den Wäldern des Unterspreewaldes ebenso anzutreffen, wie in den Schlehengebüschen an den Hängen der tertiären Vulkane im Böhmischen Mittelgebirge.

Die Holz-Birne ist eine der Stammarten für unsere Speisebirne. Den ersten Nachweis für Kultur-Birnen gibt es aus der Bronzezeit. Im alten Rom waren schon 35 Sorten bekannt.

Echte Wild-Birnen sind heute sehr selten, da sie sich über Jahrhunderte mit den Kultursorten gekreuzt haben.

Das Holz des Birnbaums wird für Drechsler-, Schnitz- und Tischlerwaren verwendet. Vor allem für Furnier- und Intarsienarbeiten ist es sehr begehrt. Auch für Musikinstrumente (z.B. Blockflöten) findet es Verwendung.

Fossile Nachweise dieser Gattung gibt es seit dem Tertiär. Im mittelmiozänen Blätterton von Wischgrund bei Lauchhammer (ca. 10-12 Mill. Jahre alt) wurden Birnenblätter gefunden, die sich in der Sammlung des Museum der Natur und Umwelt Cottbus befinden. Da die Pflanzenfossilien dieses Blättertons als Vorbild für die Nachgestaltung des Niederlausitzer Tertiärwaldes im Cottbuser Spreeauenpark dienten, trifft man auch dort einige Holz-Birnenbäume an.

Quellen

NVN-Faltblatt zum "Baum des Jahres": Brigitte Schneider & Ursula Striegler

Literatur/ Bildnachweis: Ursula Striegler
[1]
HEGI, G.: Illustrierte Flora von Mitteleuropa, Bd. IV/2
[2] HUMPHRIES, C.J. u.a.: Der Kosmos-Baumführer 1990
[3] JAVORKA, S. & CSAPODY, V: Iconographia Florae partis austro-orientalis Europae Centralis, Budapest 1975
[4] KRÜSSMANN, G.: Handbuch der Laubgehölze, 1978
[5] ROLOFF, A. & BÄRTELS, A.: Gehölze, 1996
[6] ROLOFF, A., Ginkgoblätter, Januar 1998
[7] ROTHMALER, W.: Exkursionsflora von Deutschland, 2, 1994
[8] STRIEGLER, U., Natur und Landschaft im Bezirk Cottbus, 7, 1985

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