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Die Krebsschere - Blume des Jahres 1998

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Krebsschere (Foto: I. Striegler)Als Blume des Jahres 1998 wurde die Krebsschere Stratiotes aloides L. gewählt. Sie ist eine Wasserpflanze, die zur Familie der Froschbißgewächse Hydrocharitaceae gehört. Im Volksmund hat sie verschiedene Namen, wie z. B. Wasseraloe, oder wegen ihrer scharf gesägten Blätter Wassersäge, bzw. Wassersichel.

Beschreibung

Die derben, dreikantigen, stachelig gesägten Blätter der Krebsschere bilden unter Wasser eine trichterförmige Rosette, wobei das obere Drittel der Blätter oft aus dem Wasser herausragt. Zwischen Mai und Juli/August erscheinen über dem Wasser die weißen Blüten, deren 3 verkehrt-eiförmige Blütenblätter 2-3 cm breit sind. Da die Pflanze zweihäusig ist, unterscheiden sich die männlichen und die weiblichen Pflanzen durch die Anordnung des Blütenstandes. Die männlichen Blüten sind gestielt, die weiblichen erscheinen sitzend. Die Bestäubung der Blüten erfolgt durch Insekten. Die Früchte sind eiförmige Kapseln mit zylindrischen Samen, die eine braune holzige Schale haben.
Da die Krebsschere sich auch vegetativ durch Ausbildung von Brutpflänzchen an Ausläufern vermehrt, gibt es teilweise große Vorkommen von nur weiblichen oder nur männlichen Pflanzen. Bei ausbleibender Befruchtung wachsen Früchte mit tauben Samen heran.

Standort / Verbreitung

Die Krebsschere findet sich in Röhrichtgesellschaften ruhiger, nährstoffreicher Gewässer und kann mit dem Froschbiß (Hydrocharis morsus-ranae) eigene Pflanzengesellschaften bilden. Sie siedelt überwiegend in bis zu 2 m tiefen Gräben und liebt ruhige, sonnige, stehende oder nur mäßig fließende Gewässer mit mineralischem, mehr oder weniger kalkarmen Untergrund.
In der Niederlausitz profitiert die Krebsschere von den tief ausgebauten und vollbesonnten Meliorationsgräben, in denen das Wasser kaum zu fließen scheint.
Es gibt auch Vorkommen der Art, die unter Wasser blühen.

Besonderheiten

Wie viele Röhrichtpflanzen ist die Krebsschere in der Lage, Nährstoffe im Wasser abzubauen, z.B. Phosphor und Kalium zu binden. Damit ist sie an der Selbstreinigung unserer Gewässer beteiligt.
Früher hat man die Krebsschere in den Massenbeständen abgemäht und zur Gründüngung und als Schweinefutter verwendet.
Die Krebsschere ist eines der Beispiele, daß ein enge Bindung zwischen Pflanzen und Tieren bestehen kann. So ist die Grüne Mosaikjungfer (Aeshna viridis) in ihrem Lebensraum an Krebsscherenbestände gebunden. Die Libelle heftet ihre Eier an die Blätter der Krebsschere und kann daher nur in Gewässern, wo die Krebsschere vorkommt, lebensfähig bleiben.

Schutz

Der Schutz der Lebensräume ist hier die wirksamste Form, die Krebscherenbestände zu schützen. Nicht nur die Krebsschere ist eine gefährdete Art, auch die Libelle ist hochgradig gefährdet und nur über den Schutz der Krebsscherenbestände kann auch der Schutz der Grünen Mosaikjungfer gesichert werden.

Ein Wort an die Gärtner und Pflanzenliebhaber

Die Krebsschere ist auch eine beliebte und ästhetisch reizvolle Pflanze für den Gartenteich, vor allem in besonnter Lage. Sie kaufen die Pflanze in einer Zuchtform, am besten in einem regionalen Gartenfachmarkt.
Da die Pflanze sich auch vegetativ vermehrt, sollte sie züchterisch bearbeitet sein, da sie durchaus geeignet ist, eine größere Fläche zu überziehen.
Bitte entnehmen Sie keine Pflanzen aus der Natur. Dies ist nach Maßgabe des Brandenburgischen Naturschutzgesetzes verboten.

Fossile Krebsschere

Schon im Tertiär (ab dem Mitteleozän) kommt die Krebsschere mit zahlreichen Arten vor. Stratiotes kaltennordheimensis wurde im Blätterton von Wischgrund bei Lauchhammer (Mittelmiozän, vor ca. 10 - 12 Millionen Jahren) gefunden. Da die Pflanzenfossilien dieses Blättertons als Vorbild für die Nachgestaltung des Tertiärwaldes im Cottbuser Spreeauenpark dienten, trifft man auch dort in kleinen Wassertümpeln die Krebsschere an.

Samen der Krebsschere aus Klinge
Abb. Samen der Krebsschere aus Klinge

In den Eem-warmzeitlichen Seeablagerungen von Klinge bei Cottbus tritt die Krebsschere in Form von Blattrosetten und vor allem als Früchte häufig auf ( Eem-Grabung Klinge des Museums der Natur und Umwelt Cottbus).
Da vor 100 Jahren die Früchte der rezenten Krebsschere den Botanikern noch unbekannt waren, stellte Prof. Nehring nach den in Klinge gefundenen Früchten eine neue, seiner Meinung nach ausgestorbene Art auf. Paradoxocarpus carinatus ("gekielte Rätselfrucht"), die, wie es ihm schien, auf das Deutlichste mit der Flora des Tertiärs verknüpft war, was spätpleistozänes Alter der Klinger Schichten ausschloß. Deshalb kümmerte sich der Lausitzer Braunkohlengeologe Prof. Keilhack in seinem Urlaub um die rätselhafte Frucht, die er rezent in einem norddeutschen Gewässer fand, wodurch er ihre botanische Zugehörigkeit aufklären konnte.

Quellen

NVN-Faltblatt zur "Blume des Jahres": Brigitte Schneider, Iris Striegler

Literatur/ Bildnachweis:
[1]
HEGI: Flora von Mittel-Europa.
[2] R. DÜLL, H. KUTZELNIGG (1992): Botanisch-ökologisches Exkursionstaschenbuch, Heidelberg.
[3] T. SCHAUER, C. CASPARI (1989): Der große BLV Pflanzenführer, München.
[4] S. JAVORKA, V. CSAPODY: Iconographia Florae partis austro-orientalis Europae Centralis, Budapest 1975.
[5] Urania Pflanzenreich - Blütenpflanzen 2, Leipzig Jena Berlin 1994.
[6] D. BENKERT, F. FUKAREK, H. KORSCH (Hrsg.): Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Ostdeutschlands, Jena 1996.
[7] FFH-Richtlinie 1992; Rote Liste BRD 1984; Rote Liste Brandenburg 1993.

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