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Die Feldlerche - Vogel des Jahres 1998

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Die Feldlerche (Alauda arvensis L.)

Lerche Doch ist es jedem eingeboren,
Daß sein Gefühl hinauf und vorwärts dringt,
Wenn über uns, im blauen Raum verloren,
Ihr schmetternd Lied die Lerche singt..

(Goethe, Faust I)

Kennzeichen

Reichlich sperlingsgroß (Länge 18 cm). Oberseits erdbraun mit dunkler Längsfleckung, unterseits licht bräunlichweiß, Kropf und Flanken dunkel gefleckt. Hinterrand der Flügel und Außenkanten des Schwanzes weiß gesäumt. Schnabel relativ kurz und kräftig. Erregt stellt die Feldlerche die Scheitelfedern zu einer kleinen Haube auf, doch nie so lang und spitz wie bei der Haubenlerche. Alt- und Jungvögel haben im Spätsommer eine Vollmauser, danach sind sie oberseits kräftiger gefärbt.

Feldlerche (Präparat des Museums der Natur und Umwelt Cottbus)
Feldlerche
Präparat des Museums der Natur und Umwelt Cottbus

Stimme

Ruft fliegend 'trrüvi' oder ähnlich. Gesang, ein anhaltender Fluß trillernder und jubilierender Töne, wird ohne Zwischenpausen im flatternden steilen Singflug vorgetragen, bisweilen auch vom Boden aus. Häufig Nachahmung anderer Vögel.

Abb. 3: Verbreitung der Feldlerche
Abb. 3: Verbreitung der Feldlerche

Verbreitung

In Europa mit Ausnahme des äußersten Norden; in Asien bis Nordsibirien und Japan sowie in Nordwestafrika.

Lebensraum

Die Feldlerche besiedelt fast alle Feldfluren, trockene bis leicht feuchte Wiesen, bewachsene Halden in Bergbaugebieten, größere Kahlschläge bzw. Aufforstungsflächen mit Baum- und Strauchbewuchs und Randgebiete von Städten.

Nahrung

Die Feldlerche nimmt bezüglich ihrer Ernährung eine Mittelstellung zwischen Weich- und Körnerfressern ein. Dabei ist die Nahrung stark den jeweiligen Jahreszeiten angepaßt:
- Grüne Blätter der Saaten (Winter)
- Gliederfüßer und Würmer (Frühjahr und Sommer)
- Sämereien (Herbst)

Wanderungen

In beiden Zugperioden sehr häufig (Schwärme von 200 - 800 Vögeln). Erste Rückkehrer in der ersten Februardekade bis Anfang März. Durchzug bis Anfang April. Die zeitigste Beobachtung war der 1. Februar 1969. Erstankunftsdurchschnitt: 10. Februar.
Der Herbstzug erfolgt zögernd ab Mitte September, erreicht im Oktober den Höhepunkt und endet im November.
Durchschnitt der Letztbeobachtungen: 10. November.

Überwinterungen

Meist in Südeuropa überwinternd. Aus fast allen Gebieten Deutschlands werden in allen Jahren Winterbeobachtungen kleiner Trupps (bis zu 20 Vögel) gemeldet. Die Feldlerche vergesellschaftet sich im Winter mit Ohrenlerchen, Schneeammern und anderen Finkenarten.

Fortpflanzung

Nestbau im April bis Juli, gelegentlich schon Ende März. Es erfolgen zwei Bruten. Das Nest steht stets gut durch Grasbüschel, Getreidehalme und andere Vegetation verdeckt am Boden. Die Nestmulde ist 80 mm breit und 50 mm tief; ein kunstloser Bau aus trockenen Hälmchen. Die Nestmulde ist mit feinen Gräsern und Würzelchen ausgelegt. Gelegegröße meist 4 Eier, gelegentlich besteht das Gelege aus 3 oder 5 Eiern, 6er-Gelege sind selten. Eiablage täglich; Brutbeginn nach Ablage des letzten Eies. Das Gelege wird nur vom Weibchen in 11 - 14 Tagen ausgebrütet. Die Jungen, die von beiden Eltern gefüttert werden, verlassen mit 9 - 10 Tagen, noch nicht flugfähig, das Nest, werden aber noch bis zum Alter von 30 Tagen betreut.

Bestandsdichte

Die Feldlerche ist allgemein verbreitet und häufig, trotzdem liegen sehr wenig verwertbare Angaben über die Siedlungsdichte vor. Nachfolgend einige Angaben aus Brandenburg (Br) und der Oberlausitz (OL) (Brutpaare je 10 ha):

  • Feldfluren 1-5 BP / 10 ha (OL)
  • feuchte Wiesen 0,6 BP / 10 ha (Br)
  • Ödland 3,5 BP / 10 ha (OL)
  • Kiefernaufforstung 6 BP / 10 ha (OL)
  • Rieselfelder 0,12-0,55 BP / 10 ha (Br)

Für die Niederlausitz fehlen Angaben fast völlig. Die Mitglieder der Fachgruppe Ornithologie haben deshalb in diesem Jahr Zählungen von Brutrevieren der Feldlerche in ihrem Arbeitsprogramm.
Die Siedlungsdichte resultiert aus der Größe der Brutreviere; diese wiederum ist abhängig vom Biotop. Je mehr der Biotop den optimalen Bedingungen der Lerche entspricht, desto dichter ist die Besiedlung. Der durchschnittliche Revierdurchmesser in Getreidefeldern ist mit 80 - 100 m ermittelt worden. Die größte Siedlungsdichte soll mit 60 - 80 m Revierdurchmesser in den Feldfluren von Hülsenfrüchten erreicht werden.

Bestandsveränderungen

Auch die jetzt noch häufige Feldlerche gerät mancherorts schon in Bedrängnis. Die Ursachen hierfür sind zu schnelle Fruchtfolge auf Äckern, Aufgabe der extensiven Beweidung und das Verschwinden von insektenreichen Randstreifen durch Biozideinsatz.
Schutz: Anlage von Brachlandflächen zwischen den Feldfluren.

Historisches

In früheren Zeiten waren die Menschen weniger vogelfreundlich eingestellt als heute. Wie viele andere Vögel wurden auch Lerchen in großen Mengen gefangen und gegessen. Fänge von 20 - 25 Schock Lerchen an einem Abend waren keine Seltenheit. (Schock - altes deutsches Zählmaß; Schock = 60 Stück). Die Vogelsteller lieferten die gefangenen Lerchen an Gasthäuser oder verkauften sie auf den Märkten der großen Städte. "Leipziger Lerchen" - heute wird der Ausdruck für ein Gebäck gebraucht und erinnert somit an den einst im großen Stil ausgeübten Lerchenfang. Um 1880 setzten die Bestrebungen zum Schutze der Vogelwelt ein und es wurden Verbote des Vogelfanges erlassen. Heute freuen wir uns, wenn die Lerchen über unseren Feldern jubilieren.

Quellen

NVN-Faltblatt zum "Vogel des Jahres": Ursula und Wolfgang Prußkel

Literatur/ Bildnachweis:
[1] Jonsson, L.: Die Vögel Europas - Kosmos-Naturführer, Stuttgart 1992.
[2] Makatsch, W.: Die Vögel in Feld und Flur - Neumann Verlag, Radebeul 1955.
[3] Makatsch, W.: Die Eier der Vögel Europas - Band 2, Neumann Verlag, Leipzig Radebeul 1976.
[4] Pätzold, R.: Die Feldlerche - NBB 323, Wittenberg Lutherstadt 1975.
[5] Rutschke, E.: Die Vogelwelt Brandenburgs - Jena 1983.
[6] Makatsch, W.: Wir bestimmen die Vögel Europas, Neumann-Verlag - 1. Auflage 1966

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