zurück zur Startseite
zur Startseite

Naturwissenschaftlicher Verein der Niederlausitz e.V. mit Sitz in CottbusNaturwissenschaftlicher Verein der Niederlausitz e.V. mit Sitz in Cottbus

Die Silber-Weide - Baum des Jahres 1999

Startseite Natur des Jahres Baum des Jahres 1999


Inhalt
Startseite
Der NVN e.V.
Fachgruppen
Ausstellungen
Veröffentlichungen
Natur des Jahres
Chronik
   
Natur des Jahres
Übersicht
2007
Bach-Nelkenwurz
2004
Weißtanne
Alpenglöckchen
2003
Wolf
Schwarz-Erle
   

Die Silber-Weide (Salix alba)
ist ein Baum der Flußauen und Niederungen des Tieflandes. Nach der Wahl des Unteren Odertales als Landschaft des Jahres 1994 und des Biotopes Bach als Biotop des Jahres 1996 steht mit der Silber-Weide erneut der Lebensraum (Fluß-)Aue im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses.

Weiden sind weltweit verbreitet in eher etwas gemäßigten bis kühleren Gebieten. Selbst in der Arktis (Spitzbergen) kommen noch 3 Arten vor. Dies mag wohl das beste Beispiel für die große Vitalität und das Anpassungsvermögen dieser Gattung sein.

Weiden
Silberweide (links), Bruchweide (rechts)

Wuchsform

Der Stamm kann im Durchmesser bis zu einem Meter und darüber erreichen. Er ist gerade und bei Bäumen ab mittlerem Alter mit grob längsrissiger Borke. Äste und Triebe können überhängen. Kennzeichnend sind oft ausladend breite Baumkronen. Daran ist die Silber-Weide auch im unbelaubten Zustand gut zu erkennen. Im Alter brechen die Stämme oft auseinander.
Die durchschnittliche Höhe liegt zwischen 10 bis 15 m. An ihren Ursprungsstandorten mit gehaltvollen Böden in den Auen kann die Silberweide bis 35 m Höhe erreichen.

Blätter / Blüten

Blattaustrieb und Blüte fallen zusammen. Die Blütezeit liegt daher auch im April/Mai bei voller Blattentfaltung. Die Silber-Weide gehört damit zu den spät blühenden Weidenarten.

Abb. Blütenstand und Blatt der Silber-Weide
Abb. Blütenstand und Blatt der Silber-Weide

Wie die meisten Weiden ist auch die Silber-Weide zweihäusig, es gibt also männliche und weibliche Pflanzen. Die männlichen Kätzchen bilden sich aufrecht gebogen bis zu 7 cm Länge heraus. Der walzenartige Blütenstand ist etwa 10 nun dick. Die weiblichen Blüten sind insgesamt kleiner, stehen ebenfalls aufrecht gebogen bis etwa 5 cm hoch, strecken sich zur Reifezeit und sind insgesamt von dünnerer Form. Als Unterscheidungsmerkmal der Blütenstände sind bei den männlichen Blüten je 2 Nektarien und 2 Staubblätter zu nennen. Die weiblichen Blüten besitzen einen fast sitzenden Fruchtknoten und nur 1 Nektardrüse. Die Fruchtreife erstreckt sich über den Mai bis in den Juni hinein.
Die Blattform ist länglich lanzettlich und jeweils von der Blattmitte zum Stiel und zur Blattspitze verschmälert. Der Blattrand ist fein gesägt und mit sehr kleinen Drüsen an den Spitzen der Zähnchen. Die Silber-Weide bildet kleine, nach vorn anliegende Nebenblätter aus.
Auf der Blattunterseite sind die silbrig glänzenden Härchen gut zu erkennen. Die kurz gestielten Blätter drehen sich leicht bei Luftbewegungen, so daß die behaarten Unterseiten im Sonnenlicht zu dem silbrigen Schimmer führen, der dem Gehölz den Namen gab.

Verbreitung und Biotop

Die Silber-Weide kommt in Europa, sowie West- und Nordasien vor.
Sie gilt als stattlichster Baum der Niederungslandschaften, kann aber auch in Gebirgen an Flüssen bis in etwa 900 m über dem Meeresspiegel auftreten.
Sie ist ein typischer Baum der Weichholzaue, die im Jahresverlauf längere Zeit unter Wasser steht und bei Wasserstandsschwankungen rasch vernässt. Hier bildet sie Reinbestände oder kommt mit anderen Weiden und Pappeln zusammen vor.
In der Niederlausitz sind Weichholzauen mit Gehölzbeständen der Silber-Weide in nennenswerten flächenhaften Ausbreitungen bereits selten und nur zerstreut an der Neiße zu finden.
Aber sonst ist die Silber-Weide ein häufiger Baum, der außer in Flußauen an Ufern von Standgewässern (Seen, Teiche) zu finden ist. Die Vitalität des Gehölzes erlaubt darüber hinaus eine Besiedlung von sogenannten Sekundärstandorten auf mineralischen, gut wasserversorgten Standorten, also Ufer von Gräben oder Restgewässern ehemaliger Sand-, Kies-, Ton- oder Lehmentnahmestellen (Abgrabungsgewässer).

Gefährdung

Eine unmittelbare Gefährdung des Baumes besteht nicht. Gehölzflächen der Weichholzaue sind Zeiger für intakte Flußauen einschließlich der regelmäßigen Überschwemmungen. Restbestände von Weichholzauen an Fließgewässern gehören zu den in Deutschland vorkommenden und nach Anhang I der Europäischen Richtlinie 43/92 "Flora, Fauna, Habitate" in Verbindung mit anderen Gehölzbeständen in Flußauen zu den geschützten, sogar besonders zu schützenden bzw. zu fördernden Lebensräumen (prioritäre Lebensräume).

Mit der Wahl der Silber-Weide als Baum des Jahres 1999 soll vor allem auf die Gefährdung der Flußauen aufmerksam gemacht werden. Während in verschiedenen westdeutschen Bundesländern schrittweise Modellprojekte der Renaturierung von wasserbaulich stark überformten Fließgewässern durchgesetzt werden, besteht für einige ostdeutsche Flußauen die Gefahr des Flußausbaus zur Intensivierung der Großfrachttransporte auf Elbe und Havel. Dabei ist abzusehen, was der Ausbau bringen wird. An Donau und Rhein herrscht die latente Gefahr der Überflutung inzwischen bebauter und zu Produktionsflächen umgenutzter Auebereiche. Erstmals wird über Renaturierungsprojekte auch an diesen Flüssen nachgedacht. Vor diesem Hintergrund erscheinen die Großschutzgebiete an Elbe, Oder, Havel und Mulde sehr wertvoll für den Schutz von Natur und Landschaft aber auch im Hinblick auf den Hochwasserschutz. In Brandenburg ist vor allem die Havel bedroht, an deren Ufern sich sowohl Kulturlandschaften, aber auch wertvolle und schutzwürdige Niederungslandschaften ausdehnen.
In diesen naturnahen Flußlandschaften sind auch die Weichholzauen zu finden. Große Sorgen bereiteten den Gewässerökologen und Artenschützern auch Pläne Polens zum Ausbau der Oder auf polnischer Seite. Noch ist nicht sicher geklärt, ob das Jahrhunderthochwasser an der Oder 1997 Einsichten auch auf polnischer Seite befördert hat.
Das Naturereignis selbst, aber auch die große "Leistung" der bisher unverbauten Warthe (Warta) verdeutlichen sehr eindrucksvoll, wie notwendig und volkswirtschaftlich sinnvoll naturbelassene Flüsse sind. Deshalb lohnt es sich, für die Bewahrung der großen Stromtalauen in Ostdeutschland einzutreten.

Andere Weidenarten

Es gibt etwa 300 bekannte Weidenarten. Einige sollen hier erwähnt werden.

Bekanntester Frühblüher unter den Weiden und erste Nahrung für die Bienen im zeitigen Frühjahr ist die strauchartig wachsende Sal-Weide (Salix caprea) mit den allseits bekannten zunächst grausilbrig und eng an den Zweigen anliegenden Kätzchen. Auch diese Weide ist sehr vital und findet daher große Verbreitung.

Die Korb-Weide (Salix viminalis) ist die Weidenart, die sich besonders in der Korbmacherei bewährte, da sie sich gut verarbeiten läßt. Sie wird daher auch Flecht-Weide genannt. Sie ähnelt in ihren Ansprüchen der Sal-Weide und ist daher auch weit verbreitet.

Die Grau- oder Asch-Weide (Salix cinerea) ist eine Weidenart, die auf nicht mehr intakten Vermoorungsstandorten wächst und den Übergang der Moorstandorte zu neuen Bestockungsgesellschaften anzeigt. Sie hat graubereifte Zweige (Name) und ist durch ihre halbkuglige Wuchsform in entsprechenden Landschaftsteilen zu erkennen.

Die Purpur-Weide (Salix purpurea) verdankt ihren Namen den mehr oder weniger rötlich überlaufenen Zweigen. Sie ist an feucht-nassen Standorten zu finden, auch an Flußufern und kann eigene Pflanzengesellschaften ausbilden.

Die in unserer Heimat gerade kniehoch wachsende Weidenart ist die Kriech-Weide (Salix repens). Sie besiedelt staufeuchte und anmoorig- moorige Standorte in lichten Senken oder Geländekesseln. Sie ist in Brandenburg eine gefährdete Art.

Weiden in der Erdgeschichte

Fossile Weiden gibt es seit dem älteren Tertiär in Europa. In der Niederlausitz kommen sie auch in den Ablagerungen der Urelbe im jüngerem Tertiär vor.

Abb. 10 Mio Jahre altes WeidenblattDie Abbildung zeigt ein 10 Millionen Jahre altes Weidenblatt (Salix varians) aus den Elbablagerungen des Blättertons von Wischgrund bei Lauchhammer (Niederlausitz) aus der Sammlung des Museums der Natur und Umwelt Cottbus.
Da dieses Blatt der Silberweide ähnlich ist, ist im Tertiärwald (Nachgestaltung von Pflanzenwelt und Landschaft des tertiären Flußsystems der Urelbe im Cottbuser Spreeauenpark), auch eine Silber-Weide anzutreffen.
Wir laden zu einem Besuch des Tertiärwaldes ein. Er ist zu jeder Jahreszeit interessant, aber im Herbst bietet er die schönste Laubfärbung weit und breit.

Wirtschaftliche Bedeutung von Weiden

Im ökologischen Gewässerbau ist die große Vitalität (Stockausschlagsfähigkeit) der Weiden sehr geschätzt. Sie können unmittelbar zur Stabilisierung der Ufer von größeren und kleineren Fließgewässern eingesetzt werden. Das "Material aus der Natur" ist allen massiven Uferverbauungen am Gewässerverlauf überlegen; von großer Haltbarkeit und damit kaum wartungsintensiv.
Heute kommt der Wiederbelebung dörflichen Handwerkes große Bedeutung in strukturschwachen ländlichen Regionen zu. Das Korbmacherhandwerk ist eines dieser alten handwerklichen Traditionen. Zunehmend lassen sich Kopfbaumreihen in brandenburgischen Niederungslandschaften beobachten (Oderbruch, Luch- und Bruchgebiete um Potsdam und Brandenburg /Havel). Die in einer Reihe angepflanzten Weiden werden durch den Schnitt zu Kopfweiden entwickelt, die die Nutzung der austreibenden Zweige erlauben.

Quellen

NVN-Faltblatt zum "Baum des Jahres": Brigitte Schneider & Ursula Striegler

Literatur/ Bildnachweis:
[1]
AMANN, G. (1968): Bäume und Sträucher des Waldes.- Radebeul.
[2] CHMELAR, J. & MEUSEL, W. (1986): Die Weiden Europas. - Wittenberg.
[3] HARZ, K. (1993): Bäume und Sträucher.- München.
[4] HECKER, U. (1995): Handbuch Bäume und Sträucher. - München.
[5] KRÜSSMANN, G. (1978): Handbuch der Laubgehölze. - Parey.
[6] SSYMANK, A./U. HAUFE et al. (1998): Das europäische Schutzgebietssystem Natura 2000. -Bonn-Bad Godesberg.
[7] ROTHMALER, W. (1995): Exkursionsflora von Deutschland.- Fischer Verlag.
[8] MUNR Brandenburg (Hrsg.) (1993): Rote Liste - Gefährdete Farn- und Blütenpflanzen, Algen und Pilze im Land Brandenburg.- Potsdam.

Zur Übersicht mit den Bäumen, Blumen, .. der vergangenen Jahre bis heute

Museale Anlage im SpreeauenparkMuseale Anlage im Spreeauenpark

auf dem BUGA-Gelände in Cottbus: Mit Tertiärwald, Mammutbaum-Stubben, Kohlemoor und Findlingsallee. weiter..

Der Tertiärwald ist eine Außenanlage der Geologischen Abteilung des Museums der Natur und Umwelt Cottbus und des Naturwissenschaftlichen Vereins der Niederlausitz e.V..

In einer seit 1995 öffentlich zugänglich gemachten Nachgestaltung wird eine Landschaft gezeigt, wie sie zur Bildung der Braunkohle in der Niederlausitz bestand. Alle verwendeten Pflanzen sind, wenn nicht in der Art, dann mindestens in der Gattung wissenschaftlich belegt.


Seitenanfang

Startseite | Impressum | Inhaltsverzeichnis | E-Mail