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Die Bocks-Riemenzunge - Orchidee des Jahres 1999 |
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Pflanze/ Blüte Die stattliche Orchidee kann bis zu 90/ 120 cm groß werden. Die länglich-lanzettlichen Blätter umschließen den Stengel scheidig.
Neben ihrer Größe fällt die Orchidee durch ihren reichlichen und lockeren Flor sowie durch die Formgebung ihrer Einzelblüten auf. Die Einzelblüte besteht aus einem halbkugligen kleinen Helm, der von 5 Perigonblättern gebildet wird. Auffälligstes Merkmal der Blüte ist jedoch die Mittelzunge, deren Länge durchaus bis zu 6 cm betragen kann (Namensgebung). Sie ist leicht gedreht, das Ende ist mitunter schwach eingerollt. Gegenüber der auffälligen Blütenform tritt die Intensität
der Farbgebung stark zurück. Die Farben variieren oft, können von grünlich-bräunlichen
Nuancen bis zu purpurroten Farbeinschlägen reichen. Während sich an der
Helmbildung diese Farben noch am ehesten erkennen lassen, die Nerven erscheinen
ins Purpurrote gehend, wirkt die Mittelzunge meist ausgefärbt bis bleich,
jedoch nicht ohne Farbeinschlag. Die Blütezeit beginnt etwa Ende Mai. Die Pflanze ist eine wintergrüne Art, denn im Herbst werden die Blätter für die neue Vegetationsperiode vorgebildet. Strenge Winter führen jedoch zum Zurückfrieren, so daß die Pflanze zum Überleben geschützte Standorte braucht. Lebensraum/ Biotop In der einführenden Vorstellung der Pflanze wurde ein Teil ihres Existenzgefüges schon erwähnt. Darüber hinaus sind weitere die Pflanze begünstigenden Bedingungen zu nennen. So ist sie eine Art der Offenländereien und extensiv genutzten Wiesen, die auch im Sommer mäßig frisch bleiben. Dennoch sind ihre Standorte durch besondere Besonnungs- und Erwärmungsverhältnisse gekennzeichnet. Oft befinden sich die Vorkommen in Randlagen, auch in leicht hängigen Bereichen. Die mitunter versprengt liegenden Standorte wurden weniger intensiv genutzt; eine Düngung lohnte sich nicht, so daß sie heute kaum mit Nährstoffen belastet sind. Die daran angepaßte Orchidee kann sich in solchen Flächen behaupten, denn sie ist wie viele unserer Wiesenorchideen eine konkurrenzschwache Art. Gebüschsäume oder lichte Waldbereiche auf kalkhaltigen Standorten, sogar Sanddünen über Kalk können besiedelt werden. Erst in jüngster Zeit wurden überraschende Neufunde bekannt. Neben den Vorkommen im Leutratal bei Jena wurden jetzt in Süd- und Westthüringen sowie bei Naumburg Vorkommen vermeldet. Botaniker und andere Wissenschaftler sind mit der Klärung der im allgemeinen auftretenden Bestandsschwankungen, aber auch der standörtlichen Bedingungen der Neufunde befaßt. Noch nicht geklärt ist die Frage, warum die Art auch an Standorten auftreten kann, an denen sie bislang nicht beobachtet wurde. Im südlichen Westdeutschland gibt es mehrere Fundorte, vor allem in den Weinbaugebieten scheint sich die Orchidee wohlzufühlen. Gefährdung Nach wie vor befinden sich die bedeutendsten Vorkommen
der Orchidee in Ostdeutschland um Jena. Das Leutratal ist eines der wertvollsten
Gebiete. Die Pflanze befindet sich dort in einem Naturschutzgebiet, das
Teil eines 3700 ha umfassenden Areals ist und zu einem von Bund und Land
geförderten Naturschutzgroßprojekt gehört. Mit der Erklärung der Bocks-Riemenzunge zur Orchidee des Jahres 1999 soll auf die akute Gefährdung ihres Vorkommens im Leutratal aufmerksam gemacht werden. Die auffällige und stattliche Orchidee der eher mäßig trockenen Magerrasen braucht unsere Hilfe! Stirbt die Orchidee, ist die heimische Flora erneut um einen skurril bis exotisch anmutenden Teil ärmer. Da sie auch für die Wissenschaft von großem Wert ist, verliert die Gesellschaft einen interessanten wie besonderen Forschungsgegenstand, der sich nicht nur auf die Pflanze bezieht, sondern auch ihre Existenzbedingungen und das Biotopmanagement einschließt. An unsere Gartenfreunde Wir wissen, daß der allergrößte Teil von Ihnen verantwortungsvoll mit den Schöpfungen der Natur umgeht. Nicht alle Wildflorenarten kommen als Gartenpflanzen unserer Heimatregion in Betracht. Freude wird man i.d.R. nur an bearbeiteten Formen haben. Zur Bocks-Riemenzunge muß eindeutig gesagt werden, daß
sie in Gartenanlagen unserer Gegend keine Chance zum Überleben hat. Ihr
existentielles Bedingungsgefüge kann mit den Liebhabern und Laien zur
Verfügung stehenden Mitteln nicht annähernd nachgestaltet werden, so daß
die Kultivierung der Bocks-Riemenzunge, wenn überhaupt, nur in die Hände
wissenschaftlicher Einrichtungen gehört. Das pflegeaufwendige, anspruchsvolle, aber auch schöne
Hobby der Orchideenhaltung sollte mit bewährten Arten der Zimmerpflanzenhaltung
ausgeübt werden. Meist handelt es sich um Hybriden, die sich wesentlich
leichter als ihre Ausgangsarten kultivieren lassen und überdies schöne
auffällige Blütenfarben zeigen. Quellen NVN-Faltblatt zur "Orchidee des Jahres": Brigitte Schneider Literatur/ Bildnachweis:
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