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Die Hängebirke - Baum des Jahres 2000

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Die Hänge-Birke (Betula pendula ROTH.) - oder auch Sand-Birke, Warzen-Birke - einem breiten Publikum vorstellen zu wollen, hieße sicher, Eulen nach Athen zu tragen. Sie ist dank ihrer Vitalität und Auffälligkeit im Erscheinungsbild sehr bekannt. Die Birke ist im Volksleben vieler Völker tief verwurzelt, so daß wir schon von Kindheit an die Birke als einen der ersten Bäume kennenlernen. Gerade auch in der Niederlausitz deuten viele Ortsnamen auf die Existenz der Birken hin; "brjaz", so auch Bräsinchen, Beresinchen, Brieschko, Birkwalde, Birkholz usw.
Hänge-Birke

Erscheinungsbild, Blätter, Blüten

Die Birke ist je nach Standortbedingungen ein zierlicher bis schlanker Baum zwischen 10 und etwa 25 m, seltener 30 m. Die Zweige der Hänge-Birke (Name) hängen über. Auffallendstes Merkmal des Baumes ist die mit dem Alter zunehmende Weißfärbung der Rinde, unterbrochen an der Stammbasis von schwarzer tief sowie netzartig längsrissiger Borke und Korkwarzenbändern.
Die jungen Zweige sind biegsam, zierlich mit zahlreichen Harzdrüsen besetzt (Unterscheidungsmerkmal zur Moorbirke), zunächst von bräunlich matt glänzender Farbe. Die Winterknospen sind zugespitzt, und glänzen stark.

Die Laubblätter sind wechselständig, gestielt, sind von Rautenform und besitzen eine ausgezogene Spitze. Der Blattgrund variiert bei den einzelnen Birkenarten und ist daher auch ein Bestimmungsmerkmal. Bei der Hänge-Birke ist dieser bei jungen Blättern etwas schräggestellt, entwickelt sich aber mit zunehmenden Alter des Blattes zu einer Geraden, so daß sich eine fast waagerechte Linie ergibt.

Blätter

Uns ist die Birke als Frühblüher bekannt. Schon im zeitigen Frühjahr vor dem Blattaustrieb beginnen sich die männlichen Blütenstände, die Kätzchen (Windbestäubung), hängend zu entwickeln. Von Interesse dürfte sein, daß sie bereits im Sommer des Vorjahres gebildet werden, aber erst im Folgejahr beginnt ihre "hohe Zeit".

Die sehr kleinen Blüten kann man nur unter starken Vergrößerungsgläsern betrachten: 4-teilige Hülle und zwei Staubblätter.
Die weiblichen Blüten bilden sich ebenfalls unscheinbar an den Enden der beblätterten Kurztriebe und sind von brauner Farbe. Im Gegensatz zu den männlichen Blüten überwintern sie geschützt in einer Knospe. Sie blühen aufrecht stehend. Die Blüten befinden sich zu dritt in der Achsel eines Schuppenblattes.
Die Früchte werden als Nüßchen bezeichnet, sind sehr dünnhäutig und mit durchsichtigen Flügeln ausgestattet, so daß der Wind sie weit tragen kann.

Abb. Verbreitung der Gattung Betula
Verbreitung der Gattung Betula

Verbreitung

Die Hänge-Birke ist von Europa bis Westsibirien verbreitet.

Standortansprüche

Die Hänge-Birke ist ein Baum, der sehr viele Standorte besiedeln kann. Obwohl sie fast überall vorkommt, fehlt sie in Standortlagen mit schweren Tonböden (Decken) oder auf Kalken. Sie bevorzugt Böden verschiedener Konsistenz und mit sehr unterschiedlichem Feuchtegehalt. Auf längere Trockenperioden, in denen sich der "angestammte Bodenwasserhaushalt" sehr stark verändern kann, reagiert sie empfindlich.
In der Niederlausitz ist uns die Hänge-Birke ein vertrauter Baum. Die mäßig nährstoffreichen Böden, sauer reagierenden altglazialen Sanddecken und die leichte kontinentale Beeinflussung der Witterungsverläufe kommen ihrer Existenzmöglichkeit durchaus entgegen.
Hänge-BirkeDie Hänge-Birke kann als Flachwurzler sowohl Kahlschläge, auch in Gebirgen, steinig-grusige gestörte Böden (etwa Kippenbereiche), sonstige Brachflächen oder Trümmergelände besiedeln. Bekannt ist aber auch die Fähigkeit, sich an feuchteren Standorten zu behaupten, nur wird die Art in den Mooren, durch die verwandte Moor-Birke ersetzt.
Die Hänge-Birke ist als Pioniergehölz sehr lichtbedürftig. Ihre Häufung auf sogenannten Anflugsflächen (Besiedlung ungestörter nutzungsaufgelassener Offenbereiche), ist nur ein zeitlich begrenzter Aspekt. Je nach Standort folgen der Hänge-Birke, die Eiche und die Kiefer. Die Hänge-Birke, konnte im Gegensatz zu einigen verwandten Birkenarten nicht zu einer eigenen Pflanzengesellschaft (z.B. Wald) kommen. Immer ist sie Bestandteil von Waldgesellschaften.
In der Niederlausitz ist Birken-Eichenwald mit der Kiefer als etabliertes Florenelement eine natürliche Waldgesellschaft. Sie tritt oft am Rande von Forstgesellschaften auf.

Wirtschaftliche Bedeutung

Die Eigenschaft der Birken, im Frühjahr Saft zu tragen, der z.B. in der ehem. Sowjetunion gezielt angezapft und zu einem erfrischenden Getränk verarbeitet wurde, hat man sich in der waldbrandgefährdeten Niederlausitz anders zu Nutze gemacht:
Die Hänge-Birke wurde in breiten Streifen riegelartig angepflanzt. Diese boten besonders im Frühjahr, zu einer Zeit, da bei ausbleibenden Niederschlägen die Brandgefahr recht hoch ist, einen Widerstand gegenüber dem Feuer. Doch infolge der Vergrasung, die auch die Birkenbestände erfaßte, kam man davon wieder ab.

Aus dem Saft der Birke läßt sich ein hervorragendes Konservierungsmittel für Leder herstellen (Birkenteer). Durch Destillation läßt sich das sogenannte Juchtenöl gewinnen, das man zum Einfetten des besonders feinen und weichen Juchtenleders benutzt.
Ein weiterer bedeutender Verwendungszweck ist die Anwendung von Birkensaftpräparaten zu medizinisch-kosmetischen Zwecken.
Früher nutzte man die Rinde zum Färben von Wolle. Der Sud führte zu einer Braunfärbung. Ein aus Blättern bereitetes Bad färbte Wolle gelb.
Viele dieser alten Zubereitungen wurden in unserem Jahrhundert durch chemische Präparate ersetzt, die sich wesentlich billiger herstellen ließen und den natürlichen Rohstoff Birke schonten.

Bedeutung der Birke in der Natur

Die Hänge-Birke ist als Lebensraum für Tiere und niedere Pflanzen von Bedeutung. Insbesondere für die Insekten ist die Birke eine sehr wichtige Pflanze. In England wurden 1979 Untersuchungen durchgeführt, die belegten, daß im Hinblick auf baumbesuchende Insektenarten wie Wanzen, Käfer, Groß- und Kleinschmetterlinge usw., die Birke immerhin schon der dominierenden Eiche und verschiedenen Weidenarten folgt, sich also auf Platz drei befindet. Auch wenn diese Ergebnisse nicht ohne weiteres auf das Zentrum von Mitteleuropa übertragbar sind, so wird eines deutlich, daß die Birke für Insekten eine unverzichtbare Nahrungsquelle darstellt. Und von Kleinst- und Kleininsekten sind wiederum andere Arten abhängig, die ihrerseits von Vögeln vertilgt werden.
Bei den an Körpergröße bedeutsamen Tierarten mit Bindung an die Birke wäre vor allem das Birkhuhn (Lyrurus tetrix) zu nennen. Das Birkhuhn war in den weiten ungestörten Waldbereichen des heutigen Nordsachsens mit seinen Mooren verbreitet. Das Birkhuhn ist eine Art, die von den offenen bis halboffenen Landschaften mit kraut- und beerenreichen Unterwuchs abhängig ist. Die jungen Birkentriebe und Knospen sind für die weiblichen Tiere ernährungsphysiologisch von besonderer Bedeutung. Durch Raumnutzungen wie Aufforstungen oder Abbau der Braunkohle in Tagebauen ist der Lebensraum stark eingeschränkt worden. Die Nutzung weiter Teile des ehemaligen Kreises Weißwasser, heute NOL, als Truppenübungsplatz hat dagegen keine nachteiligen Wirkungen auf den Artenbestand gehabt. Das Birkhuhn ist im europäischen Maßstab eine gefährdete Art. Derzeit laufen Programme, das Birkhuhn innerhalb großer Schutzgebiete in der Niederlausitz wieder dauerhaft anzusiedeln. Aber auch Pflanzen sind an das Vorkommen der Birke gebunden; es gibt Flechten und Pilze, die nur an Birkenstämmen existieren können.

Andere Birkenarten

Ihre Vitalität führte dazu, daß sich über 60 Arten ausbilden konnten. Nach der Birke ist eine ganze Pflanzenfamilie (Betulaceae) benannt.

Von botanischer Bedeutung ist vor allem die Moor-Birke (Betula pubescens L.). Sie hat eine eigene Pflanzengesellschaft ausgebildet, einen Moor-Birken-Wald. Bei uns ist er flächenmäßig an die Verbreitung der Moore gebunden.
In Brandenburg, der BRD und im europäischen Maßstab sind Moor-Birken-Wälder geschützt.
Die Moor-Birke unterscheidet sich von der Hänge-Birke im Habitus und in der Form der Blätter. Als Bestimmungsmerkmale ließen sich das überwiegend aufstrebende Geäst, das Fehlen von Drüsen an den Zweigen und die schräg oder überwiegend spitz zulaufende Blattbasis sowie ein eindeutiger Moorstandort nennen.

Ebenfalls bedeutsam ist die Strauch-Birke (Betula nana L.). Wie die Moor-Birke ist sie eine Art der feuchten torfig-moorigen Standorte. Man trifft sie in den Gebirgen an (auch im Harz). Die nur 20 bis 70 cm hohe strauchartige Pflanze ist geschützt und gefährdet. Sie gilt als Glazialrelikt und ist in der nördlichen Hemisphäre verbreitet, auf Grönland und Spitzbergen eines der wenigen Holzgewächse.

Blick in die Paläobotanik

Abb. Betula prisca aus WischgrundAbb. Betula prisca aus Wischgrund

Fossil ist die Birke seit dem Tertiär bekannt. In der Niederlausitz wurden in den ca. 10 Millionen Jahre alten mittelmiozänen Kostebrauer Blättertonen (zu denen auch der Blätterton von Wischgrund gehört) sowohl Fruchtschuppen und geflügelte Nüsschen der Art Betula longisquamosa und Blätter der Art Betula prisca gefunden.

Beide zeigen Ähnlichkeit zur rezenten Himalaja-Birke (Betula utilis). Deshalb ist auch die Himalaja-Birke im Niederlausitzer Tertiärwald, der Nachgestaltung von Pflanzenwelt und Landschaft des Flußsystems der Ur-Elbe, im Spreeauenpark Cottbus anzutreffen.

Auch im Quartär spielt sie eine wichtige Rolle. Vor allem Pollen geben Auskunft über das Auftreten der Birke. In der Sammlung des Museums der Natur und Umwelt Cottbus befinden sich aber auch Birkenblätter aus der Eem-Warmzeit von Klinge und Schönfeld ( Eem-Grabung Klinge des Museums der Natur und Umwelt Cottbus). In den Warmzeiten und nach Beendigung der Eiszeit (Mittel-Europa ist seit 12.500 Jahren eisfrei) gehörte die Birke neben der Kiefer zu den ersten waldbildenden Gehölzen. Diese Pionierbesiedlungen wurden in den Folgezeiten ersetzt durch Eichen- und Hainbuchen-, bzw. in der Nacheiszeit auch durch Buchenwälder.

Quellen

NVN-Faltblatt zum "Baum des Jahres": Brigitte Schneider & Ursula Striegler

Literatur/ Bildnachweis:
[1] KRÜSSMANN, G. (1976): Handbuch der Laubgehölze
[2] LAUBNER, K / G. WAGNER (1998): Flora Helvetica, Bern.
[3] HECKER, U. (1995): Bäume und Sträucher, München.
[4] MAI, D. H. (1989): Natur und Landschaft im Bezirk Cottbus 11
[5] RÖSER, B. (1988): Saum- und Kleinbiotope, Landsberg.
[6] ROTHMALER, W. (1987): Exkursionsflora von Deutschland Bd.3
[7] HUMPHRIES, PRESS & SUTTON (1990): Der Kosmos-Baumführer
[8] FITSCHEN, J. (1994): Gehölzflora

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Der Tertiärwald ist eine Außenanlage der Geologischen Abteilung des Museums der Natur und Umwelt Cottbus und des Naturwissenschaftlichen Vereins der Niederlausitz e.V..

In einer seit 1995 öffentlich zugänglich gemachten Nachgestaltung wird eine Landschaft gezeigt, wie sie zur Bildung der Braunkohle in der Niederlausitz bestand. Alle verwendeten Pflanzen sind, wenn nicht in der Art, dann mindestens in der Gattung wissenschaftlich belegt.

Verweis


Ausstellung "Bunte Welt der Meeresmuscheln"


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