|
|
Der Purpurblaue Steinsame (Buglossoides purpurocaerulea)
aus der Familie der Borretschgewächse (Boraginaceae) ist eine
Pflanze der lichten Saumgesellschaften auf Standorten wärmeliebender Eichenwälder
(insbesondere des Flaumeichenwaldes).
Der Flaumeneichenwald ist im Mittelmeerraum verbreitet, die Pflanze hat
in dieser Gesellschaft ihren Verbreitungsschwerpunkt und kann als eine
nach Osten ausgreifende sub-ozeanische, sub-mediterrane Art gelten. Damit
gehört sie zu den in Deutschland schon eher seltenen Pflanzenarten.
Da die Pflanze bei uns nicht zu den etablierten Florenelementen gehört,
sondern eher eine Außenseiterposition einnimmt, steht sie in keiner der
Roten Listen. Verständlicherweise gehört diese Pflanze, wenn sie in der
Natur in Augenschein genommen werden kann, aufgrund ihrer Seltenheit zu
den stark gefährdeten Arten.

Purpurblauer Steinsame
Beschreibung
Die Pflanze ist etwa 20 cm hoch, kann
aber durchaus auch stattliche 60 cm erreichen. Der Stengel ist im unteren
Teil steril. Diese nicht blühenden Stengelteile liegen bogig aufsteigend
am Boden, bilden Ausläufer und können sich bewurzeln. Die blühenden Stengelteile
sind etwas steif aufrecht erscheinend und reich beblättert. Die Blüten
sind jeweils endständig. Die Pflanze ist kurz und rauh behaart, die Blätter
sind länglich, lanzettlich, zum Blattende verschmälert. Auffällig ist
die unterseits gut sichtbare Mittelrippe.
Von allen Steinsamenarten hat der Blaue Steinsame die größte Einzelblüte.
Die Krone ist röhrenförmig mit weit trichterförmig ausgebreitetem Saum,
innen mit behaarten Streifen. Eine Besonderheit, die man bei einigen Blütenpflanzen
findet, ist die Verfärbung der Kronblätter nach dem Aufblühen. Beim Steinsame
ist die aufblühende Blüte rotviolett, geht dann aber bald in ein tiefes
Blau über.
Dieser auffällige Farbwechsel, der beim Steinsamen auch zu einer intensiven
Färbung der Kronblätter führt, brachte ihm auch die Namensgebung Rotblauer
bzw. Purpurblauer Steinsame ein. Im übrigen verweist der wissenschaftliche
Name auf dieses Phänomen.
Die Teilfrüchte der Pflanze sind weiß glänzend und glatt und etwa 4 bis
5 mm lang. Da sie "steinhart" sind und sich nicht aufbrechen
lassen, trug diese Eigenschaft ebenfalls zur Namensgebung bei.
Abb.: Verbreitung des Blauen Steinsamens in
Ostdeutschland
Standort
Die Pflanze benötigt nährstoff- und basenreiche Böden
mit neutral-milder Reaktion. Solche Böden, die auch kalkarm sein können,
sind in der Lage, Wasser und Nährstoffe zu speichern, bleiben daher auch
im Sommer noch frisch. Die Böden sind von verschiedener Konsistenz, es
werden sowohl mittelgründige, lockere bis steinige Böden angenommen, aber
auch reine Ton-, Lehm- oder Lößböden. An der Oberfläche, die meist humos
und aus vermulltem Material besteht, können die schon erwähnten blütenlosen
Triebe kriechen und Ausläufer bilden.
Vermeintlich scheint die Pflanze doch vital, dennoch scheinen
die klimatische Faktoren, wie die Wärmeansprüche stärker zu wirken, zumal
man einräumen muß, daß der Blaue Steinsame als Halbschattart gilt. Auf
ein Nährstoffüberangebot, vor allem in Hinblick auf Stickstoff reagiert
die Pflanze empfindlich, so daß auch das Standortgefüge schon ausgewogen
sein muß. Derartige Standorte unterliegen keiner Nutzung, sind nicht gefährdet
im Hinblick auf Nährstoffeinträge oder andere Störungen.
Verbreitung
Bei uns befindet sich der Blaue Steinsame am Nordostrand
seines eigentlichen Verbreitungsgebietes. In Deutschland ist die Art auf
die wärmebegünstigten Tallagen beschränkt. Hier müssen viele Bedingungen
zusammentreffen, vor allem die, die Wärmeansprüche des Blauen Steinsamens
und seine Ansprüche auf einen gehaltvollen Boden, auch in der Tiefe, erfüllen.
Somit stehen nur wenige geeignete Standorte für das Fortkommen der Pflanze
zur Verfügung.
Entsprechend ihrer Existenzmöglichkeiten ist das Verbreitungsgebiet der
als ziemlich selten angegebenen Pflanze in Deutschland lediglich an die
wärmebegünstigten Tallagen im Süddeutschen Raum wie z.B. die südliche
Oberrheinische Tiefebene, Mainfränkische Platten, Nahetal u.a. gebunden.
Es handelt sich um klimatisch begünstigte Nischen, die allesamt den Trocken-
und Wärmegebieten zuzuordnen sind. Im Osten Deutschlands beschränkt sich
das Vorkommen auf Thüringen und den Südwesten Sachsen-Anhalts.
In der Niederlausitz kommt der Blaue Steinsame nicht vor, da die ziemlich
tiefwurzelnde Pflanze saurer reagierende Böden meidet. Darüber hinaus
sind die altglazialen Sanddecken oft von großer Mächtigkeit, so daß bindige
Schichten von der Wurzel nicht erreicht werden können. Hinzu kommt, daß
sich die durchlässigen Sandböden leicht erwärmen und austrocknen. Damit
wird schon deutlich, daß selbst im Tiefland nur geologisch begünstigte
Standorte mit einem bestimmten klimatischen Bedingungsgefüge angenommen
werden.
Für Brandenburg konnte aus der älteren Literatur ein Standort an den Unteren
Oder bei Stolzenhagen und, wie es heißt, auf der gegenüberliegenden Seite,
also bei Bellinchen (Belienek), ermittelt werden. Diese Angabe stammt
aus den beginnenden 60er Jahren.
In einem aktuellen Aufsatz, der sich mit der Pflanzengesellschaft des
Flaumeichenwaldes in Brandenburg beschäftigt, wird der Purpurblaue Steinsame
als seltene Art unter den diagnostisch wichtigen Pflanzen dieser Pflanzengesellschaft
genannt. Dabei wird auf Angaben polnischer Autoren aus den Jahren 1957/58
und erneut auf das Vorkommen bei Bellinchen verwiesen.
Weitere Arten aus der Gattung
Andere Arten sind der Gebräuchliche Steinsame (Lithospermum
officinale L.), in Brandenburg gefährdet (Kategorie 3), und der Acker-Steinsame
(Buglossoides arvensis). Beide Arten sind
in ihrer Verbreitung nicht so eingeschränkt wie der Blaue Steinsame und
daher schon eher einmal zu finden.
Der Gebräuchliche Steinsame (Lithospermum officinale
L.) ist eine Pflanze der wärmebegünstigten Stromtäler. Mit 30 bis 80 cm
Wuchshöhe, je nach Standortbedingungen, gehört er schon zu den eher ansehnlich,
bis stattlichen Pflanzen, die zudem noch durch ihren reichlichen Blütenflor
hoch- bzw. endständig an seitlichen Blütenstengeln und in Hochblattwinkeln
auffällt. Die Blüten sind weiß bis weiß-gelblich gefärbt. Die Teilfrüchte
sind eiförmig, glänzend und von weiß bis hellbrauner Farbe.
Der Acker-Steinsame (Buglossoides arvensis L.)
ist stark rauhhaarig, so daß der Eindruck von klebenden Blättern und Blüten
entsteht. Die Pflanze kann zwischen 8 cm bis ebenfalls stattlichen 60
cm Wuchshöhe erreichen. Dennoch dürfte sie in der Niederlausitz nicht
die durchschnittlichen Wuchshöhen der Art in den Stromtälern erreichen,
da die Lebensbedingungen vom Bodensubstrat her nicht so üppig ausfallen.
Die Blätter wirken dunkelgrün grau, sind wie der
Stengel behaart, schmal lanzettlich, ganzrandig, sitzend. Die Blüten sind
klein, aber nicht rein weiß, sondern eher hell, cremefarben erscheinend,
da der Grund der Röhre meist einen gelblichen Schlund besitzt. Die Früchtchen
sind braun, runzlig-warzig und nicht glänzend.
Der Acker-Steinsame ist eine Art der gestörten Plätze, also infolge anthropogener
Beeinflussung überprägten Standorte wie Schuttplätze, Weinberge, aber
auch Äcker. Auch mit diesen Standorten werden die grundlegenden Ansprüche
der Art deutlich, nur daß sie nicht primär wirken, sondern auf (Sekundär-)Standorten
zur Geltung kommen, die sich durch Materialverschwemmung (Bodenverdichtung,
Pfützenbildung, aber auch kiesig-grusige Bodenpartien), starke Besonnung
und Erwärmung auszeichnen.
In der östlichen Niederlausitz ist der Acker-Steinsame (Buglossoides
arvensis L.) nicht so häufig zu finden, da er auf den tiefgründigen
Sanddecken in den Urstromtälern, der Talsandflächen und Schwemmsandfächer
kaum fortkommen kann. Dagegen ist er auf leicht lehmigen Äckern, Ackerbrachen
oder in wenig nährstoffaufgehöhten Randstrukturen eher anzutreffen. In
anderen Landschaften der Niederlausitz vor allem in den Beckenlandschaften
ist er Teil der Ackerflorengesellschaften auf ebenfalls leicht lehmigen
bis lehmigen Böden.
Tip für unsere Gartenfreunde
Die Steinsamenpflanzen könnten die Liebe auf den zweiten
Blick sein. Wegen ihrer hohen Wärmeansprüche, dem Fortkommen auch auf
kiesig-grusigem Material ist vor allem der Acker-Steinsame für die Kultur
im Steingarten geeignet. Das setzt voraus, daß Sie sich auch an unscheinbaren
Blüten erfreuen können. Auch sehr kleine Blüten haben ihren Reiz.
Wie Sie schon mehrfach an dieser Stelle erfahren haben, sind Entnahmen
aus der freien Natur verboten. Vielleicht werden die bei uns heimischen
Arten vom Gartenfachhandel entdeckt.
Quellen
NVN-Faltblatt zur
"Blume des Jahres": B. Schneider
Literatur/ Bildnachweis:
[1] Bundesartenschutzverordnung, Neufassung 1989:
BGBl. Teil I, Nr. 44 26.09.1989.
[2] Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung Brandenburg (Hrsg.)
(1993): Rote Liste der gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen, Algen und
Pilze im Land Brandenburg.
[3] BLAB, J., E. NOWAK, W. TRAUTMANN, H. SUKOPP (1984): Rote Liste der
gefährdeten Tiere und Pflanzen in der Bundesrepublik Deutschland, erw.
Neubearb., Greven.
[4] LAUBNER, K., G. WAGNER (1998): Flora Helvetica, Bern.
[5] RAT DES BEZIRKES FRANKFURT / ODER (Hrsg.) (1961): Natur und Naturschutz
im Bezirk Frankfurt / Oder.
[6] FITTER, R., M. BLAMEY (1986): Pareys Blumenbuch, Hamburg, Berlin
[7] BENKERT, D., F. FUKAREK, H. KORSCH (1996): Verbreitungsatlas der Farn-
und Blütenpflanzen Ostdeutschlands, Jena.
[8] KONCZAK, P. (1999): Die Flaum-Eiche in Ostbrandenburg in: Verh. Botan.
Verein Berlin & Brandenburg, Berlin, Bd. 132.
[9] ROTHMALER, W.: Exkursionsflora, Berlin 1985.
Aichele, D.: Was blüht denn da? Kosmos Naturführer, Stuttgart 1994.
[10] Foto: S. Striegler
Zur Übersicht
mit den Bäumen, Blumen, .. der vergangenen Jahre bis heute
|