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Der Purpurblaue Steinsame - Blume des Jahres 2000

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Der Purpurblaue Steinsame (Buglossoides purpurocaerulea) aus der Familie der Borretschgewächse (Boraginaceae) ist eine Pflanze der lichten Saumgesellschaften auf Standorten wärmeliebender Eichenwälder (insbesondere des Flaumeichenwaldes).
Der Flaumeneichenwald ist im Mittelmeerraum verbreitet, die Pflanze hat in dieser Gesellschaft ihren Verbreitungsschwerpunkt und kann als eine nach Osten ausgreifende sub-ozeanische, sub-mediterrane Art gelten. Damit gehört sie zu den in Deutschland schon eher seltenen Pflanzenarten.
Da die Pflanze bei uns nicht zu den etablierten Florenelementen gehört, sondern eher eine Außenseiterposition einnimmt, steht sie in keiner der Roten Listen. Verständlicherweise gehört diese Pflanze, wenn sie in der Natur in Augenschein genommen werden kann, aufgrund ihrer Seltenheit zu den stark gefährdeten Arten.

Purpurblauer Steinsame (Foto: S. Striegler)
Purpurblauer Steinsame

Beschreibung

Die Pflanze ist etwa 20 cm hoch, kann aber durchaus auch stattliche 60 cm erreichen. Der Stengel ist im unteren Teil steril. Diese nicht blühenden Stengelteile liegen bogig aufsteigend am Boden, bilden Ausläufer und können sich bewurzeln. Die blühenden Stengelteile sind etwas steif aufrecht erscheinend und reich beblättert. Die Blüten sind jeweils endständig. Die Pflanze ist kurz und rauh behaart, die Blätter sind länglich, lanzettlich, zum Blattende verschmälert. Auffällig ist die unterseits gut sichtbare Mittelrippe.
Von allen Steinsamenarten hat der Blaue Steinsame die größte Einzelblüte. Die Krone ist röhrenförmig mit weit trichterförmig ausgebreitetem Saum, innen mit behaarten Streifen. Eine Besonderheit, die man bei einigen Blütenpflanzen findet, ist die Verfärbung der Kronblätter nach dem Aufblühen. Beim Steinsame ist die aufblühende Blüte rotviolett, geht dann aber bald in ein tiefes Blau über.
Dieser auffällige Farbwechsel, der beim Steinsamen auch zu einer intensiven Färbung der Kronblätter führt, brachte ihm auch die Namensgebung Rotblauer bzw. Purpurblauer Steinsame ein. Im übrigen verweist der wissenschaftliche Name auf dieses Phänomen.
Die Teilfrüchte der Pflanze sind weiß glänzend und glatt und etwa 4 bis 5 mm lang. Da sie "steinhart" sind und sich nicht aufbrechen lassen, trug diese Eigenschaft ebenfalls zur Namensgebung bei.

Abb.: Verbreitung des Blauen Steinsamens in Ostdeutschland

Abb. Verbreitung Blauer SteinsameStandort

Die Pflanze benötigt nährstoff- und basenreiche Böden mit neutral-milder Reaktion. Solche Böden, die auch kalkarm sein können, sind in der Lage, Wasser und Nährstoffe zu speichern, bleiben daher auch im Sommer noch frisch. Die Böden sind von verschiedener Konsistenz, es werden sowohl mittelgründige, lockere bis steinige Böden angenommen, aber auch reine Ton-, Lehm- oder Lößböden. An der Oberfläche, die meist humos und aus vermulltem Material besteht, können die schon erwähnten blütenlosen Triebe kriechen und Ausläufer bilden.

Vermeintlich scheint die Pflanze doch vital, dennoch scheinen die klimatische Faktoren, wie die Wärmeansprüche stärker zu wirken, zumal man einräumen muß, daß der Blaue Steinsame als Halbschattart gilt. Auf ein Nährstoffüberangebot, vor allem in Hinblick auf Stickstoff reagiert die Pflanze empfindlich, so daß auch das Standortgefüge schon ausgewogen sein muß. Derartige Standorte unterliegen keiner Nutzung, sind nicht gefährdet im Hinblick auf Nährstoffeinträge oder andere Störungen.

Verbreitung

Bei uns befindet sich der Blaue Steinsame am Nordostrand seines eigentlichen Verbreitungsgebietes. In Deutschland ist die Art auf die wärmebegünstigten Tallagen beschränkt. Hier müssen viele Bedingungen zusammentreffen, vor allem die, die Wärmeansprüche des Blauen Steinsamens und seine Ansprüche auf einen gehaltvollen Boden, auch in der Tiefe, erfüllen. Somit stehen nur wenige geeignete Standorte für das Fortkommen der Pflanze zur Verfügung.
Entsprechend ihrer Existenzmöglichkeiten ist das Verbreitungsgebiet der als ziemlich selten angegebenen Pflanze in Deutschland lediglich an die wärmebegünstigten Tallagen im Süddeutschen Raum wie z.B. die südliche Oberrheinische Tiefebene, Mainfränkische Platten, Nahetal u.a. gebunden. Es handelt sich um klimatisch begünstigte Nischen, die allesamt den Trocken- und Wärmegebieten zuzuordnen sind. Im Osten Deutschlands beschränkt sich das Vorkommen auf Thüringen und den Südwesten Sachsen-Anhalts.
In der Niederlausitz kommt der Blaue Steinsame nicht vor, da die ziemlich tiefwurzelnde Pflanze saurer reagierende Böden meidet. Darüber hinaus sind die altglazialen Sanddecken oft von großer Mächtigkeit, so daß bindige Schichten von der Wurzel nicht erreicht werden können. Hinzu kommt, daß sich die durchlässigen Sandböden leicht erwärmen und austrocknen. Damit wird schon deutlich, daß selbst im Tiefland nur geologisch begünstigte Standorte mit einem bestimmten klimatischen Bedingungsgefüge angenommen werden.
Für Brandenburg konnte aus der älteren Literatur ein Standort an den Unteren Oder bei Stolzenhagen und, wie es heißt, auf der gegenüberliegenden Seite, also bei Bellinchen (Belienek), ermittelt werden. Diese Angabe stammt aus den beginnenden 60er Jahren.
In einem aktuellen Aufsatz, der sich mit der Pflanzengesellschaft des Flaumeichenwaldes in Brandenburg beschäftigt, wird der Purpurblaue Steinsame als seltene Art unter den diagnostisch wichtigen Pflanzen dieser Pflanzengesellschaft genannt. Dabei wird auf Angaben polnischer Autoren aus den Jahren 1957/58 und erneut auf das Vorkommen bei Bellinchen verwiesen.

Weitere Arten aus der Gattung

Andere Arten sind der Gebräuchliche Steinsame (Lithospermum officinale L.), in Brandenburg gefährdet (Kategorie 3), und der Acker-Steinsame (Buglossoides arvensis). Beide Arten sind in ihrer Verbreitung nicht so eingeschränkt wie der Blaue Steinsame und daher schon eher einmal zu finden.

Der Gebräuchliche Steinsame (Lithospermum officinale L.) ist eine Pflanze der wärmebegünstigten Stromtäler. Mit 30 bis 80 cm Wuchshöhe, je nach Standortbedingungen, gehört er schon zu den eher ansehnlich, bis stattlichen Pflanzen, die zudem noch durch ihren reichlichen Blütenflor hoch- bzw. endständig an seitlichen Blütenstengeln und in Hochblattwinkeln auffällt. Die Blüten sind weiß bis weiß-gelblich gefärbt. Die Teilfrüchte sind eiförmig, glänzend und von weiß bis hellbrauner Farbe.

Der Acker-Steinsame (Buglossoides arvensis L.) ist stark rauhhaarig, so daß der Eindruck von klebenden Blättern und Blüten entsteht. Die Pflanze kann zwischen 8 cm bis ebenfalls stattlichen 60 cm Wuchshöhe erreichen. Dennoch dürfte sie in der Niederlausitz nicht die durchschnittlichen Wuchshöhen der Art in den Stromtälern erreichen, da die Lebensbedingungen vom Bodensubstrat her nicht so üppig ausfallen. Die Blätter wirken dunkelgrün grau, sind wie der Stengel behaart, schmal lanzettlich, ganzrandig, sitzend. Die Blüten sind klein, aber nicht rein weiß, sondern eher hell, cremefarben erscheinend, da der Grund der Röhre meist einen gelblichen Schlund besitzt. Die Früchtchen sind braun, runzlig-warzig und nicht glänzend.
Der Acker-Steinsame ist eine Art der gestörten Plätze, also infolge anthropogener Beeinflussung überprägten Standorte wie Schuttplätze, Weinberge, aber auch Äcker. Auch mit diesen Standorten werden die grundlegenden Ansprüche der Art deutlich, nur daß sie nicht primär wirken, sondern auf (Sekundär-)Standorten zur Geltung kommen, die sich durch Materialverschwemmung (Bodenverdichtung, Pfützenbildung, aber auch kiesig-grusige Bodenpartien), starke Besonnung und Erwärmung auszeichnen.
In der östlichen Niederlausitz ist der Acker-Steinsame (Buglossoides arvensis L.) nicht so häufig zu finden, da er auf den tiefgründigen Sanddecken in den Urstromtälern, der Talsandflächen und Schwemmsandfächer kaum fortkommen kann. Dagegen ist er auf leicht lehmigen Äckern, Ackerbrachen oder in wenig nährstoffaufgehöhten Randstrukturen eher anzutreffen. In anderen Landschaften der Niederlausitz vor allem in den Beckenlandschaften ist er Teil der Ackerflorengesellschaften auf ebenfalls leicht lehmigen bis lehmigen Böden.

Tip für unsere Gartenfreunde

Die Steinsamenpflanzen könnten die Liebe auf den zweiten Blick sein. Wegen ihrer hohen Wärmeansprüche, dem Fortkommen auch auf kiesig-grusigem Material ist vor allem der Acker-Steinsame für die Kultur im Steingarten geeignet. Das setzt voraus, daß Sie sich auch an unscheinbaren Blüten erfreuen können. Auch sehr kleine Blüten haben ihren Reiz.
Wie Sie schon mehrfach an dieser Stelle erfahren haben, sind Entnahmen aus der freien Natur verboten. Vielleicht werden die bei uns heimischen Arten vom Gartenfachhandel entdeckt.

Quellen

NVN-Faltblatt zur "Blume des Jahres": B. Schneider

Literatur/ Bildnachweis:
[1]
Bundesartenschutzverordnung, Neufassung 1989: BGBl. Teil I, Nr. 44 26.09.1989.
[2] Ministerium für Umwelt, Naturschutz und Raumordnung Brandenburg (Hrsg.) (1993): Rote Liste der gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen, Algen und Pilze im Land Brandenburg.
[3] BLAB, J., E. NOWAK, W. TRAUTMANN, H. SUKOPP (1984): Rote Liste der gefährdeten Tiere und Pflanzen in der Bundesrepublik Deutschland, erw. Neubearb., Greven.
[4] LAUBNER, K., G. WAGNER (1998): Flora Helvetica, Bern.
[5] RAT DES BEZIRKES FRANKFURT / ODER (Hrsg.) (1961): Natur und Naturschutz im Bezirk Frankfurt / Oder.
[6] FITTER, R., M. BLAMEY (1986): Pareys Blumenbuch, Hamburg, Berlin
[7] BENKERT, D., F. FUKAREK, H. KORSCH (1996): Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Ostdeutschlands, Jena.
[8] KONCZAK, P. (1999): Die Flaum-Eiche in Ostbrandenburg in: Verh. Botan. Verein Berlin & Brandenburg, Berlin, Bd. 132.
[9] ROTHMALER, W.: Exkursionsflora, Berlin 1985.
Aichele, D.: Was blüht denn da? Kosmos Naturführer, Stuttgart 1994.

[10] Foto: S. Striegler

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