zurück zur Startseite
zur Startseite

Naturwissenschaftlicher Verein der Niederlausitz e.V. mit Sitz in CottbusNaturwissenschaftlicher Verein der Niederlausitz e.V. mit Sitz in Cottbus

Der Rotmilan - Vogel des Jahres 2000

Startseite Natur des Jahres Vogel des Jahres 2000


Inhalt
Startseite
Der NVN e.V.
Fachgruppen
Ausstellungen
Veröffentlichungen
Natur des Jahres
Chronik
   
Natur des Jahres
Übersicht
2007
Bach-Nelkenwurz
2004
Weißtanne
Alpenglöckchen
2003
Wolf
Schwarz-Erle
   

 

Der Rotmilan (Milvus milvus L.)

Rotmilan
(Foto: Museum der Natur und Umwelt Cottbus [6])

Rotmilan (Foto: Museum der Natur und Umwelt Cottbus)Kennzeichen

Der Rotmilan ist reichlich bussardgroß, mit längeren Flügeln und tiefgegabeltem Stoß. Auch bei stark gespreizten Steuerfedern, ist die Gabelung stets deutlich zu erkennen (s. Foto 3). Ein weiteres sicheres Kennzeichen sind die großen, weißlichen Flecke auf den gewinkelten Flügelunterseiten. Männchen und Weibchen sind völlig gleich gefärbt. Die Oberseite ist dunkelbraun mit helleren Federsäumen, die Unterseite rostrot mit dunklen Strichen, der Kopf grauweiß mit dunklen Strichen. Die Handschwingen sind schwarz, der Stoß leicht rötlich. Jungvögel unterscheiden sich nur durch etwas blassere Farben und einen bräunlichen Kopf.

Stimme

Im Fluge hört man häufig ein langgezogenes "hiäh-hihihihihiäh". Diese Rufreihen klingen oft kläglich und vibrierend, sie können an- und absteigen.

Verbreitung

Der Rotmilan kommt als Brutvogel in West-, Mittel- und Südeuropa vor, auch in Nordwestafrika sowie in Kleinasien und Transkaukasien. Im Norden reicht das Brutgebiet bis Südschweden und Großbritannien (nur Wales).

Rotmilane im Wildgehege Moritzburg
Rotmilane im Wildgehege Moritzburg

Lebensraum

Bevorzugte Lebensräume sind abwechslungsreiche Landschaften mit Wiesen- und Ackerflächen, Feldgehölzen, Waldgebieten und mehr oder weniger großen Seen und Teichen. Der Rotmilan fehlt jedoch in großen geschlossenen Nadelwaldgebieten. Hier werden nur die Randzonen zur freien Luch- und Grundmoränenlandschaft besiedelt.

Nahrung

Der Rotmilan jagd vorwiegend über offenem Gelände und ernährt sich von Fischen, Säugetieren, Vögeln und Insekten. Er verzehrt aber häufig Aas und Abfall und stiehlt auch Beute bei anderen Vögeln. Hauptnahrung des Rotmilans sind aber zunehmend Tiere als Straßenverkehrsopfer, sowie Tiere, die bei landwirtschaftlichen Arbeiten getötet werden. Im Landkreis Spree-Neiße wird auch der auf die Felder ausgebrachte Abfall von Großgeflügelhaltungen (Ehlego-Dünger) als Nahrungsquelle genutzt.

Wanderungen

Die Winterquartiere des Rotmilans liegen am Mittelmeer. Ringfunde belegen den Winteraufenthalt in Frankreich und Spanien. In zunehmender Anzahl überwintert er aber auch in Mitteleuropa. Ein bedeutendes Überwinterungsgebiet ist das nördliche Harzvorland. Hier wurden 500 Rotmilane im November und 200-300 überwinternde Rotmilane gezählt.
Heimzug und Ankunft im Brutgebiet von Ende Februar bis Anfang April. Ankunftsdaten von Anfang Februar (1.2.1969) betreffen sicher umherstreifende Überwinterer oder extrem frühe Heimkehrer. Der Wegzug beginnt Mitte Juli und hält bis Ende Oktober an.

Rotmilan im Wildgehege MoritzburgFortpflanzung

Brutzeit in Mitteleuropa von Mitte April bis Mitte Mai. Es findet stets nur eine Brut statt; bei frühzeitigem Verlust des Geleges erfolgt ein Nachgelege. Meist wird ein eigener Horst erbaut, der einen Durchmesser von 70-100 cm erreicht. Gelegentlich wird ein bereits vorhandener Horst einer anderen Vogelart als Unterlage benutzt und hergerichtet. Stets steht der Horst auf hohen, alten Bäumen (Kiefern, Eichen, Buchen oder Eschen). Am Horstbau beteiligen sich beide Partner. Das Männchen bringt das Nistmaterial heran, das Weibchen verbaut es im Horst. Die flache Nestmulde wird mit Stoffstücken, Papier, Gummiringen und Fellresten ausgelegt. Das Gelege besteht meist aus 3, bisweilen auch 2 oder 4 Eiern. Eiablage im Abstand von drei Tagen. Brutbeginn nach Ablage des ersten Eies. Es brütet fast ausschließlich das Weibchen, das vom Männchen mit Futter versorgt wird. Brutdauer 28-30 Tage. In den ersten Tagen nach dem Schlupf bringt nur das Männchen Beute zum Horst, nach zwei Wochen füttern beide Eltern. Nestlingsdauer etwa 50 Tage.

Bestandsveränderung/ Bestandssituation:

Der Rotmilan hat ein relativ kleines Verbreitungsgebiet. Um 1900 war infolge von Abschuß und hemmungsloser Eiersammelei der Rotmilan in vielen Gegenden verschwunden. Die Restpopulationen in einigen Landschaften bildeten die Grundlage für den langsamen Wiederanstieg des Bestandes. Dieser Anstieg begann in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts und hält in Deutschland bis in die 90er Jahre an.
Das Zentrum der höchsten Brutdichte befindet sich in Mitteldeutschland. Bestandsschätzungen belegen für das Zentrum (Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg und Thüringen) insgesamt 7.500 Brutpaare. Für die übrigen Bundesländer wird ein Bestand von 3.200 Brutpaaren geschätzt. Damit ergeben sich für ganz Deutschland 10.700 Brutpaare. In den übrigen europäischen Ländern leben insgesamt etwa 7.200 Rotmilan-Brutpaare. Der europäische Gesamtbestand - identisch mit dem Weltbestand - wird mit etwa 18.000 Brutpaaren (BP) eingeschätzt (alle Bestandsangaben von 1994).
Unsere Verantwortung für die Erhaltung des Rotmilans ist groß, da fast 60% des Weltbestandes in Deutschland lebt.

Bestandszahlen einiger europäischer Länder (1994):

Frankreich ca. 2.000 BP
Spanien < 1.000 BP
Polen ca. 500 BP
Schweiz ca. 350 BP
Schweden ca. 200 BP
Tschechische und
Slowakische Republik
ca. 80 BP
Benelux-Länder ca. 55 BP
Österreich und Ungarn ca. 10-20 BP

 

Bestandsdichte

Die Besiedlung schwankt in den verschiedenen Lebensräumen erheblich. Die höchste Dichte wird in abwechslungsreichen Grundmoränenlandschaften erreicht. Nachfolgend einige Bestandsdichteangaben aus Deutschland (Brutpaare je 100 km²):

- Nordharzvorland (Hakel) 94 BP/100 km²
- Nordöstliches Harzvorland 42 BP/100 km²
- Südwestlich Rathenow 20 BP/100 km²
- Landkreis Gotha 14 BP/100 km²
- Landkreis Spree-Neiße und Stadt Cottbus (1999) 13 BP/100 km²
- Potsdamer Havelland 4 BP/100 km²
- Kreis Zossen 3 BP/100 km²

Die meisten Bestandsdichteangaben sind von 1993/1994. Die Fachgruppe Ornithologie Cottbus und weitere Mitarbeiter haben 1999 den Rotmilan fast flächendeckend im Landkreis Spree-Neiße und Stadt Cottbus gezählt. Dabei konnten 83 Brutpaare bzw. Reviere ermittelt werden.

Rotmilanerfassung 1999 und 2000 des Spree-Neiße-Landkreises und der Stadt Cottbus

Lebensalter freilebender Rotmilane

Die Auswertung der Wiederfunde deutscher Ringvögel ergab 2 Rotmilane mit einem Alter von 15 Jahren. Je ein Rotmilan wurde 13, 14, 17, 18, 22, 24 und 25 Jahre alt. Am 16. April 1996 wurde in Sachsen-Anhalt (Gebiet Hakel) ein frischtoter Rotmilan gefunden, der am 16. Juni 1966, neun km entfernt, mit einem Ring der Vogelwarte Hiddensee markiert worden war. Dieser Rotmilan ist mit 29 Jahren und 10 Monaten der bisher älteste freilebende Ringvogel. Ein Rotmilan, der fast flügge in Gefangenschaft geraten war, erreichte ein Alter von 33 Jahren.

Quellen

NVN-Faltblatt zum "Vogel des Jahres": Ursula und Wolfgang Prußkel

Literatur/ Bildnachweis:
[1] Jonsson, L.: Die Vögel Europas.- Kosmos-Naturführer, Stuttgart 1992.
[2] Makatsch, W.: Die Vögel in Wald und Heide .- Neumann Verlag, Radebeul 1959.
[3] Makatsch, W.: Die Eier der Vögel Europas.- Band 1, Neumann Verlag, Radebeul 1974.
[4] Ortlieb, R.: Der Rotmilan. - Neue Brehm-Bücherei 532, Wittenberg Lutherstadt 1980.
[5] Rutschke, E.: Die Vogelwelt Brandenburgs.- Jena 1983.

[6] Foto 1: Museum der Natur und Umwelt Cottbus

Zur Übersicht mit den Bäumen, Blumen, .. der vergangenen Jahre bis heute


Seitenanfang

Startseite | Impressum | Inhaltsverzeichnis | E-Mail