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Der Rotmilan - Vogel des Jahres 2000 |
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Der Rotmilan (Milvus milvus L.) Rotmilan
Der Rotmilan ist reichlich bussardgroß, mit längeren Flügeln und tiefgegabeltem Stoß. Auch bei stark gespreizten Steuerfedern, ist die Gabelung stets deutlich zu erkennen (s. Foto 3). Ein weiteres sicheres Kennzeichen sind die großen, weißlichen Flecke auf den gewinkelten Flügelunterseiten. Männchen und Weibchen sind völlig gleich gefärbt. Die Oberseite ist dunkelbraun mit helleren Federsäumen, die Unterseite rostrot mit dunklen Strichen, der Kopf grauweiß mit dunklen Strichen. Die Handschwingen sind schwarz, der Stoß leicht rötlich. Jungvögel unterscheiden sich nur durch etwas blassere Farben und einen bräunlichen Kopf. Stimme Im Fluge hört man häufig ein langgezogenes "hiäh-hihihihihiäh". Diese Rufreihen klingen oft kläglich und vibrierend, sie können an- und absteigen. Verbreitung Der Rotmilan kommt als Brutvogel in West-, Mittel- und Südeuropa vor, auch in Nordwestafrika sowie in Kleinasien und Transkaukasien. Im Norden reicht das Brutgebiet bis Südschweden und Großbritannien (nur Wales).
Lebensraum Bevorzugte Lebensräume sind abwechslungsreiche Landschaften mit Wiesen- und Ackerflächen, Feldgehölzen, Waldgebieten und mehr oder weniger großen Seen und Teichen. Der Rotmilan fehlt jedoch in großen geschlossenen Nadelwaldgebieten. Hier werden nur die Randzonen zur freien Luch- und Grundmoränenlandschaft besiedelt. Nahrung Der Rotmilan jagd vorwiegend über offenem Gelände und ernährt sich von Fischen, Säugetieren, Vögeln und Insekten. Er verzehrt aber häufig Aas und Abfall und stiehlt auch Beute bei anderen Vögeln. Hauptnahrung des Rotmilans sind aber zunehmend Tiere als Straßenverkehrsopfer, sowie Tiere, die bei landwirtschaftlichen Arbeiten getötet werden. Im Landkreis Spree-Neiße wird auch der auf die Felder ausgebrachte Abfall von Großgeflügelhaltungen (Ehlego-Dünger) als Nahrungsquelle genutzt. Wanderungen Die Winterquartiere des Rotmilans liegen am Mittelmeer.
Ringfunde belegen den Winteraufenthalt in Frankreich und Spanien. In zunehmender
Anzahl überwintert er aber auch in Mitteleuropa. Ein bedeutendes Überwinterungsgebiet
ist das nördliche Harzvorland. Hier wurden 500 Rotmilane im November und
200-300 überwinternde Rotmilane gezählt.
Brutzeit in Mitteleuropa von Mitte April bis Mitte Mai. Es findet stets nur eine Brut statt; bei frühzeitigem Verlust des Geleges erfolgt ein Nachgelege. Meist wird ein eigener Horst erbaut, der einen Durchmesser von 70-100 cm erreicht. Gelegentlich wird ein bereits vorhandener Horst einer anderen Vogelart als Unterlage benutzt und hergerichtet. Stets steht der Horst auf hohen, alten Bäumen (Kiefern, Eichen, Buchen oder Eschen). Am Horstbau beteiligen sich beide Partner. Das Männchen bringt das Nistmaterial heran, das Weibchen verbaut es im Horst. Die flache Nestmulde wird mit Stoffstücken, Papier, Gummiringen und Fellresten ausgelegt. Das Gelege besteht meist aus 3, bisweilen auch 2 oder 4 Eiern. Eiablage im Abstand von drei Tagen. Brutbeginn nach Ablage des ersten Eies. Es brütet fast ausschließlich das Weibchen, das vom Männchen mit Futter versorgt wird. Brutdauer 28-30 Tage. In den ersten Tagen nach dem Schlupf bringt nur das Männchen Beute zum Horst, nach zwei Wochen füttern beide Eltern. Nestlingsdauer etwa 50 Tage. Bestandsveränderung/ Bestandssituation: Der Rotmilan hat ein relativ kleines Verbreitungsgebiet.
Um 1900 war infolge von Abschuß und hemmungsloser Eiersammelei der Rotmilan
in vielen Gegenden verschwunden. Die Restpopulationen in einigen Landschaften
bildeten die Grundlage für den langsamen Wiederanstieg des Bestandes.
Dieser Anstieg begann in den 20er und 30er Jahren des 20. Jahrhunderts
und hält in Deutschland bis in die 90er Jahre an. Bestandszahlen einiger europäischer Länder (1994):
Bestandsdichte Die Besiedlung schwankt in den verschiedenen Lebensräumen erheblich. Die höchste Dichte wird in abwechslungsreichen Grundmoränenlandschaften erreicht. Nachfolgend einige Bestandsdichteangaben aus Deutschland (Brutpaare je 100 km²):
Die meisten Bestandsdichteangaben sind von 1993/1994. Die Fachgruppe Ornithologie Cottbus und weitere Mitarbeiter haben 1999 den Rotmilan fast flächendeckend im Landkreis Spree-Neiße und Stadt Cottbus gezählt. Dabei konnten 83 Brutpaare bzw. Reviere ermittelt werden.
Lebensalter freilebender Rotmilane Die Auswertung der Wiederfunde deutscher Ringvögel ergab 2 Rotmilane mit einem Alter von 15 Jahren. Je ein Rotmilan wurde 13, 14, 17, 18, 22, 24 und 25 Jahre alt. Am 16. April 1996 wurde in Sachsen-Anhalt (Gebiet Hakel) ein frischtoter Rotmilan gefunden, der am 16. Juni 1966, neun km entfernt, mit einem Ring der Vogelwarte Hiddensee markiert worden war. Dieser Rotmilan ist mit 29 Jahren und 10 Monaten der bisher älteste freilebende Ringvogel. Ein Rotmilan, der fast flügge in Gefangenschaft geraten war, erreichte ein Alter von 33 Jahren. Quellen NVN-Faltblatt zum "Vogel des Jahres": Ursula und Wolfgang Prußkel Literatur/ Bildnachweis:
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