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Der Blutrote Storchschnabel - Blume des Jahres 2001

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Der Blutrote Storchschnabel (Geranium sanguineum L.)

Der Blutrote Storchschnabel gehört zur Familie der Storchschnabelgewächse (Geraniaceae). Diese Familie verdankt ihren Namen den Früchten, die die Form eines Storchschnabels haben.

Blutroter Storchschnabel (Foto: D. Nette)

Unter den zahlreichen Storchschnabel-Arten, die meist ruderale Standorte besiedeln, weicht er ab: Er gehört zu den wenigen großblütigen Arten seiner Gattung und kommt an besonderen Standorten vor.

Der Blutrote Storchschnabel gibt einer Pflanzengesellschaft (Geranion sanguinei) seinen Namen. Diese Pflanzengesellschaft besiedelt weitgehend ungestörte, lichte und gehaltvolle Standorte in besonders gut erwärmbaren und niederschlagsarmen Lagen. Sie beschreibt die thermophilen, also wärmeliebenden, Säume, von denen es mehrere Ausprägungen gibt (botanisch: Assoziationen), die unterschiedliche Zusammensetzungen und Differenzierungen des o.g. Standortgefüges anzeigen. Die Pflanzengesellschaft gehört zu der großen Gruppe (botanisch: Klasse) der "Waldnahen Staudenfluren" (Trifolio-Geranietea sanguinei).

Mit der Wahl des Blutroten Storchschnabels soll auf die Gefährdung der Pflanze, der Standorte ihres Vorkommens und der Vegetationsgesellschaften mit dem Blutroten Storchschnabel aufmerksam gemacht werden.

Beschreibung

Blutroter Storchschnabel (Foto: D. Nette)Die Pflanze gehört zu den ausdauernden Stauden, ist von buschigem Wuchs und kann gabelig verzweigte, aufsteigende aber auch niederliegende Stängel ausbilden. Der Stängel ist abstehend behaart. Die Blätter sind handförmig, 5-7teilig. Die Abschnitte haben ganzrandige linealisch-lanzettliche Blattzipfel. Das Blattwerk verfärbt sich im Herbst. Die Pflanze kann ein weit kriechendes Wurzelwerk ausbilden.

Die Einzelblüte an den Enden blattachsiger Stängel erscheint zwischen Juni und August eines jeden Jahres. Sie ist mit 2 bis 2,5 cm relativ groß und von intensiver bzw. kräftiger purpurner Farbe. Die fünf großen Blütenblätter sind am vorderen Rand abgerundet oder unregelmäßig ausgerandet. Vor allem die Hauptnerven auf den Blütenblättern sind gut sichtbar. In der vollen Sonne scheinen die Blüten zu strahlen, die Blütenblätter machen einen leicht "geknitterten" Eindruck, wie das bei manchen anderen wärmeliebenden Blütenpflanzen ebenfalls der Fall ist (z.B. Sonnenröschen Helianthemum nummularium). Die Bestäubung kann durch besondere Bienenverwandte erfolgen, aber auch Selbstbestäubung ist möglich. Die Frucht mit dem "Schnabel" kann 3-4 cm Länge erreichen. Die Samen werden durch einen Schleudermechanismus freigesetzt. Literaturquellen belegen, dass die vitalsten Arten der Gattung die Samen bis zu 6 m weit schleudern können (z.B. Stinkender Storchschnabel Geranium robertianum L.). Für den Blutroten Storchschnabel darf ein Wert um 2 m angenommen werden.

Standort

Die Pflanze bevorzugt deutlich wärmere Standorte auf trockenen, wenig nährstoffbelasteten Böden. Es können sowohl steinig-grusige Ausbildungen sein, wie sie in Gebirgslagen anzutreffen sind, als auch lockere Lehm-, Löß- oder Kalksandböden mit einer mehr oder weniger starken humosen Schicht. Derartige Standorte finden sich häufig an den lichten Randbereichen von Eichen-, aber auch Kiefernwäldern, auf Böschungen oder exponierten Hängen.
Wesentlich für die gemäßigt-kontinentale bis submediterrane Art sind die Wärmeansprüche und die mäßig sauren bis eher milden Bodenreaktionen, die sich aus der Tiefgründigkeit der kalkhaltigen Böden ergeben.
Das Lichtbedürfnis sowie die Schnitt- und Trittempfindlichkeit hat die Pflanze an durch Nutzungen ungestörte, lichte und besonnte Standorte verwiesen. Daneben wird durchaus auch eine zeitweilige Beschattung ertragen.

Aktuelle Vorkommen

Niederlausitz/Brandenburg: Das o.g. Verflechtungsgefüge deutet schon an, dass in der Niederlausitz nur wenige geeignete Standorte für das Fortkommen der Pflanze zur Verfügung stehen. Sie befinden sich in den Randlagen der Beckenlandschaften etwa westlich von Altdöbern. Ein sehr lange bekanntes und stetes Vorkommen befindet sich im Gubener Gebiet.
Bezogen auf Brandenburg kristallisieren sich Randlagen des Oderbruchs, wie etwa der Ostabbruch der Barnimer Platte heraus. Andere Standorte befinden sich westlich von Berlin.
In Brandenburg ist der Blutrote Storchschnabel eine gefährdete Art (Rote Liste, Kategorie 3). Bundesweit ist er (noch) nicht gefährdet.
Ostdeutschland: Als tatsächlicher Verbreitungsschwerpunkt dürften dagegen die wärmebegünstigten Randlagen des Thüringer Beckens angesehen werden (wie etwa das Eichsfeld, das Kyffhäusergebiet, die Talhänge an der Unstrut u.a.) Vorkommen befinden sich auch im Thüringer Wald, im Ostharz und den sich anschließenden Gebieten in seinem Regenschatten, etwa westlich von Halle.

Andere großblütige Arten der Gattung

Der Wiesen-Storchschnabel (Geranium pratense L.) ist eine Art der sog. Fettwiesen, also gedüngten Wiesen auf frischen bis wechselfrischen Standorten. Es ist eine Art der Stromtäler, die die tiefgründigen kalkhaltigen und tonigen Böden in den Auen bevorzugt. Die lichtbedürftige Pflanze kann zum Teil stattliche Stauden bis zu 60 cm Höhe ausbilden. Ihre blass blau-violetten Blüten erscheinen im Sommer. Der Grund des Blütenblattes ist sehr ausgeblichen, fast weißlich. Die Pflanze ist ein ausgesprochener Tiefwurzler und kann sommerliche Trockenperioden gut überstehen. Sie kommt in der Niederlausitz vor, konzentriert sich jedoch auf die Spreeaue und in den Gebieten um Luckau, die heute zu den Naturparklandschaften gehören. In den brandenburgischen Jungglaziallandschaften nimmt die Häufigkeit zu (Oderbruch, Barnimgebiet, Niederungslandschaften im Havelgebiet), ohne jedoch die fast geschlossenen Verbreitungsareale an Elbe, Saale und Werra sowie in den mitteldeutschen Landschaften zu erreichen.
Der Wiesen-Storchschnabel dürfte in der Ostlausitz zu den nicht mehr häufigen Pflanzen zählen.
Der Sumpf-Storchschnabel (Geranium palustre L.) entwickelt z.T. recht umfangreiche Bestände in ungestörten und gut besonnten Bereichen auf feuchten, sickernassen Böden in der Nähe von Fließgewässern. Die rotblau bis purpurn blühende Art kann in den nährstoffreichen Pflanzengesellschaften stattliche, bis 80 cm hohe Pflanzen ausbilden. Die Stängel haben zwei Blütenstände, wobei diese nacheinander aufblühen. Auch der Sumpf-Storchschnabel gilt als Stromtalpflanze, wobei sowohl reine Tonböden, als auch kiesig-grusige Böden besiedelt werden, wenn letztere Kalk enthalten.
Er sollte in allen Niederungen größerer Fließgewässer unserer sommerwarmen Lausitz noch vertreten sein. Der Sumpf-Storchschnabel war auch in unserer Region eine gefährdete Art (Rote Liste 1979, Kategorie 3). Hier hatte man die Gefährdung durch den Grabenausbau der Landwirtschaft im Auge. Obwohl die Pflanze eine wesentlich größere Besiedlungsdichte erreicht als die Blume des Jahres 2001 und der Wiesen-Storchschnabel, wird die Pflanze im Land Brandenburg aktuell als gefährdet angesehen (Rote Liste, Kategorie 3).

Der Wald-Storchschnabel (Geranium sylvaticum L.) ist eine Art, die im Tiefland nicht vertreten ist. Die wenigen Fundorte in Brandenburg dürften sehr alte Vorkommen im Spree-Tal und an der unteren Oder beschreiben, wobei die Angaben im Rahmen der Erarbeitung dieses Faltblattes nicht überprüft wurden. Dennoch wollen wir auf die schöne, stattliche, stets mit aufrechten Blütenstielen im Gebirge vorkommende Pflanze verweisen. Die Blüten sind leuchtend violett-blau und werden zur Blütenmitte hell. Die Pflanze bildet große, tiefgeteilte Blätter aus.
Dieser Storchschnabel kommt in den von der Bewirtschaftung nicht erreichten Säumen nährstoffreicher Wiesen, in Halbschattensäumen und in Hochstaudenfluren vor. Die Pflanze bevorzugt betont frische bis sickerfeuchte Standorte, wobei Nass-Standorte nicht angenommen werden. Der Wald-Storchschnabel ist ein Tiefwurzler. Die besiedelten Böden sind auch wie bei den anderen Arten gehaltvoll, basenreich und mit einer humosen Decke versehen.

Tipp für unsere Gartenfreunde

Die hier vorgestellten großblütigen Storchschnabelgewächse sind für die Anlage von Wildpflanzengärten sehr gut geeignet.

Zu beachten ist, dass der Standort jeder Pflanze etwas abweichende Eigenschaften hat. Vor allem für den Blutroten Storchschnabel scheint eine Bodenpräparation (Herstellung einer Kalkhaltigkeit) machbar. Selbst für den Sumpf-Storchschnabel werden über der Wasserlinie eines Gartenteiches ausreichende Existenzbedingungen gesehen, ist der Boden entsprechend vorbereitet.

Der Wald-Storchschnabel sollte dagegen zeitweilig beregnet werden, ohne dass sich das Wasser stauen darf. Für alle Arten gilt ein gelegentliches Einbringen von Kalk oder Anreichern/Einarbeiten des Pflanzsubstrates mit Ton. Sie sollten aufmerksam Kataloge studieren oder sich in den heimischen Gartenfachmärkten umsehen. Wenn es gelingt, die Standortbedingungen erfolgreich zu simulieren, werden Sie sicher viel Freude mit Ihren Gartenexemplaren haben.
Wie Sie schon mehrfach an dieser Stelle erfahren haben, sind Entnahmen aus der freien Natur verboten.

Quellen

NVN-Faltblatt zur "Blume des Jahres": B. Schneider, I. Striegler

Literatur/ Bildnachweis:
[1] BENKERT, D., F. FUKAREK, H. KORSCH (1996): Verbreitungsatlas der Farn- und Blütenpflanzen Ostdeutschlands, Jena.
[2] DÜLL, R. / H. KUTZELNIGG (1992): Botanisch-ökologisches Taschenbuch, Heidelberg.
[3] FITTER, R. / M. BLAMEY (1986): Pareys Blumenbuch, Hamburg * Berlin.
LAUBNER, K. / G. WAGNER (1998): Flora Helvetica, Bern.
[4] OBERDORFER, E. (1994): Pflanzensoziologische Exkursionsflora, Stuttgart.
ROTHMALER, W. (1995): Exkursionsflora von Deutschland, Jena.
[5] SCHUBERT,R., W. HILBIG, S. KLOTZ (1995): Bestimmungsbuch der Pflanzengesellschaften Mittel- und Nordostdeutschlands, Stuttgart.

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