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Der Haussperling - Vogel des Jahres 2002 |
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Der Haussperling (Passer domesticus) Kennzeichen Eine ausführliche Beschreibung dieses allbekannten und häufigen Vogels erübrigt sich fast. Das Haussperling-Männchen hat einen schwarzen Latz, bleigrauen Scheitel und ein braunes Band vom Auge bis in den Nacken. Das Weibchen ist oberseits mattbraun, unterseits graubraun, der Kopf ohne auffallende Zeichnung. Die Jungvögel gleichen weitgehend dem alten Weibchen. Während der Mauser vom August bis Oktober bekommen die Männchen ein mehr braunbeiges Federkleid. Der schwarze Latz und das Grau und Braun des Kopfes sind teilweise von Federrändern verdeckt. Diese nutzen sich langsam ab, und so sind die Männchen im Frühsommer am klarsten gefärbt.
Stimme Das bekannte Schilpen (monoton "tschilp" oder "tjirp"), von aufgeregten Haussperlingen hört man ein "tscherr" oder ein zeterndes "tetetetet", im Fluge ein kurzes "tvit". Verbreitung Der Haussperling bewohnt ganz Europa und fehlt nur auf Island. Außerdem kommt der Haussperling in großen Teilen Asiens sowie in Nordafrika vor. In Amerika und Australien ist der Sperling eingeführt worden und hat sich in diesen Erdteilen schnell ausgebreitet. Lebensraum In der Brutzeit bewohnt der Haussperling Ortschaften aller Größenordnungen (Einzelgehöfte, Dörfer, Städte) und sonstige bebaute Bereiche (Bahnhöfe, Landwirtschaftsanlagen, Gewerbegebiete). Außerhalb der Brutsaison ist er auch im Umfeld der Siedlungen anzutreffen. Wichtig sind künstliche Nahrungsquellen (Futterstellen in Kleintierhaltungen, Stallanlagen, Winterfütterungen). Als Schlafplätze werden Hecken, Reisighaufen, Nischen an Gebäuden und dichte Bäume genutzt. Nahrung Die Hauptnahrung besteht aus Getreide aller Sorten, deshalb folgt er den Menschen seit über 10.000 Jahren. Haussperlinge verbeißen außerdem mit Vorliebe die Knospen der Obstbäume und Sträucher, holen die Sämereien aus den Gemüsebeeten und picken vielerlei reife Früchte an. Zur Zeit der Jungenaufzucht vertilgen sie aber auch viele Insekten, besonders Maikäfer, Kohlweißlingsraupen und Eichenwickler. Wanderungen Der Haussperling ist in Mitteleuropa Standvogel (Überwinterung im Brutgebiet). Nach der Brutzeit schließen sich die Vögel zu großen Schwärmen zusammen. Gelegentlich kommt es auch zu Wanderungen, über deren Umfang nur wenig bekannt ist. Ringfunde belegen eine hohe Ortstreue, besonders für Altvögel, aber auch zwei Nahfunde mit Abwanderungen über 17 bzw. 43 km. Fortpflanzung Brutzeit in Mitteleuropa von Mitte April bis in den August hinein. Es finden mindestens zwei und häufig drei Bruten statt. Bei Verlust der Eier wird unentwegt nachgelegt. Es gibt Beispiele, wo ein Weibchen in der Zeit vom 21. April bis zum 31. Juli zehn Gelege hervorbrachte, die insgesamt 49 Eier enthielten. Das Nest ist ein "liederlicher" Bau aus Halmen, Wollfäden, Papierstücken und ähnlichem Material. Die tiefe Nestmulde ist mit vielen Federn ausgepolstert. Das Nest steht in Höhlungen bzw. Halbhöhlen aller Art: in Mauerlöchern, hinter Jalousien und Fensterläden, in Entlüftungsrohren, unter Dachziegeln, in den sparrigen Wänden von Storchnestern, auch in Nistkästen, aus denen die ursprünglichen Besitzer vielfach vertrieben werden. Freistehende Nester in Bäumen und berankten Hauswänden wurden mehrfach nachgewiesen. Am Bau des Nestes beteiligen sich Männchen und Weibchen. Das Gelege besteht aus 4 bis 6, selten 7, und ausnahmsweise sogar 8 sehr variabel gefärbten Eiern. Eiablage täglich; Brutbeginn nach Ablage des letzten Eies. Das Gelege wird hauptsächlich vom Weibchen, ab und zu wird es vom Männchen abgelöst, in 12 - 14 Tagen ausgebrütet. Die Jungen werden von beiden Eltern gefüttert, teilweise aus dem Kropf. Sie verlassen mit 14 Tagen das Nest, werden aber noch bis zum Alter von 24 Tagen betreut. Bestandssituation/Bestandsveränderung Der Haussperling ist ein häufiger und regelmäßiger Brutvogel und als ausgesprochener Kulturfolger innerhalb der Siedlungen anzutreffen. Schätzungen ergeben für:
Nach einem Massenauftreten zu Beginn des vergangenen Jahrhunderts und starker Verfolgung bis in die 50er Jahre, beobachteten Ornithologen seit einigen Jahren einen deutlichen Rückgang. Als direkter Nachbar des Menschen ist der Haussperling von allen Veränderungen im Siedlungsbereich unmittelbar betroffen. Sanierte Gebäude ohne Nischen und Spalten für Brutplätze, versiegelte Flächen und ein verringertes Nahrungsangebot machen ihm das Leben zunehmend schwerer. Sanierungsarbeiten in Berlin-Kreuzberg führten zu einem Rückgang des Haussperlings zwischen 1971 und 1991 um 65 %. Bestandsdichte Die Siedlungsdichte schwankt in Abhängigkeit von Nistplatzangebot und Nahrungsverfügbarkeit erheblich. Die Brutdichten nehmen in Berlin mit zunehmender Bebauungsdichte und dem Alter von Gebäudekomplexen zu. Nachfolgend einige Bestandsdichteangaben aus Brandenburg und Berlin (Brutpaare je 10 Hektar):
Im Spree-Neiße-Kreis sind viele Dörfer mit Kleintierhaltungen und Viehstallanlagen von jeweils 40 bis 100 Brutpaaren besiedelt. Gefährdung und Schutz Anfang der 90er Jahre kam es im Osten Deutschlands zu umfangreichen Änderungen in der individuellen Tierhaltung. Der Wegfall des Futterdeputats und der mangelnde Absatz, des bis dahin flächendeckend organisierten Kleintiermarktes, führten auch in Brandenburg zum Zusammenbruch der dörflichen Kleintierhaltung. Aufgrund des Erlöschens dieser Nahrungsquellen, gab es beim Haussperling Bestandseinbußen bis zu 50 %. Er ist dadurch zwar nicht gefährdet, wird jedoch nur noch regional große Häufigkeit erreichen. Besonders im städtischen Bereich wirken sich Gebäudesanierungen und zunehmende Versiegelung der Nahrungsflächen dramatisch auf die Brutdichte aus. Da dem Haussperling durch Ausweitung bebauter Gebiete immer wieder neue Brutplätze geschaffen werden, ist er derzeit nicht als bestandsbedroht zu betrachten. Text: Ursula und Wolfgang Prußkel Literatur:
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