zurück zur Startseite
zur Startseite

Naturwissenschaftlicher Verein der Niederlausitz e.V. mit Sitz in CottbusNaturwissenschaftlicher Verein der Niederlausitz e.V. mit Sitz in Cottbus

Die Korn-Rade - Blume des Jahres 2003

Startseite Natur des Jahres Blume des Jahres 2003


Inhalt
Startseite
Der NVN e.V.
Fachgruppen
Ausstellungen
Veröffentlichungen
Natur des Jahres
Chronik
   
Natur des Jahres
Übersicht
2007
Bach-Nelkenwurz
2004
Weißtanne
Alpenglöckchen
2003
Wolf
Schwarz-Erle
   

Die Korn-Rade (Agrostemma githago L.)

Die Korn-Rade ist eine einjährige Blütenpflanze der Äcker (Getreide) aus der Familie der Nelkengewächse (Caryophyllaceae).


Korn-Rade

Sie ist eine der schönsten Blütenpflanzen der Getreidegesellschaften und Sinnbild für die Vergänglichkeit der Ackerwildfloren, die gebunden an die Bewirtschaftung der Äcker jedes Jahr neu ihre Blütenpracht entfalten, jedoch auf die Aussamung nach dem Abblühen angewiesen sind.

Mit der Wahl der akut vom Aussterben bedrohten Pflanze (Gefährdungskategorie 1 in Brandenburg und BRD-weit) wird auf die engen Beziehungen zwischen Landbewirtschaftung und Naturschutz aufmerksam gemacht und gleichzeitig der Schutz für bedrohte Arten eingefordert.

Die Korn-Rade ist ein Alteinwanderer (Archäophyt) und dürfte schon seit der jüngeren Steinzeit bei uns existiert haben. Ihren Höhepunkt der Ausbreitung erreichte die Korn-Rade um etwa 1800.

Sie überwintert einjährig im Boden und gelangt im Folgejahr etwa 4-6 Wochen vor der Ernte des Wintergetreides zur Blüte (der Beginn der Winterroggenernte liegt für den Cottbuser Raum im langjährigen Mittel etwa um den 15.Juli bis 22.Juli). "Rade, Rade rot, in 4 Wochen gibt es Brot", so lautet ein alter Spruch.

Die Korn-Rade war sehr gut an das Leben im Zyklus der Getreidereife angepasst. Sie wurde durch das Trocknen in den sog. Getreidepuppen und dem nachfolgenden Dreschen verbreitet. Die schwärzlichen Samen fielen bei diesen Arbeitsgängen aus. Entweder gelangte sie mit den neuen Getreidesaatkörnern zurück in den Boden oder wurde mit Ackergeräten verschleppt.

Heute ist die Pflanze in Europa weitgehend zurückgedrängt worden, denn sie war aufgrund der Unverträglichkeit von Pflanzenteilen im Brotgetreide/Mehl bzw. im Tierfutter nicht gelitten. Ihre Wirkstoffe (Saponine) und giftigen Samenkörner waren gefürchtet.

Beschreibung

Die Pflanze ist etwa 30-60 cm, mitunter bis zu 90 cm hoch. Die gesamte Pflanze ist dicht anliegend seidig behaart. Der Stängel ist aufstrebend. Die Blüte bildet sich einzeln am Ende einer Verzweigung aus. Die Blätter sind schmal lanzettlich bis linealisch und sind wie bei allen Nelkenartigen gegenständig.

Die Korn-Rade hat 5 Blütenblätter, die glockig verwachsen sind. Der schmale, längliche Blütenkelch mit den gut erkennbaren Nerven, bildet 5 schmale abspreizende Zipfel aus, die die große endständige Einzelblüte von 3-5 cm Größe um etwa 1/3 ihrer Länge überragen. Jedes Kronblatt der blass purpurn gefärbten Blüte ist am äußeren Rand schwach eingebuchtet. Zur Mitte zu sind jeweils 3 Nerven deutlich zu erkennen. Der Schlund ist weißlich.

Die Korn-Rade wurzelt bis zu 85 cm tief im Boden. Sie wird von Faltern und Bienen gern besucht.

Standort

auf sauren, sandigen oder auf milden, lehmigen gut erwärmbaren Standorten

Vermehrung

Die Samen können nicht einfach aus der Samenkapsel ausfallen, da diese an ihrem Ausgang etwas verengt ist. Das erklärt, dass die Samen erst beim Dreschen ausfielen und mit der Getreideeinsaat in den Boden gelangten. Früher hatte man die Getreidekörner und die Samen der Korn-Rade nicht ausgelesen. Die Trennung gelang erst mit der Saatgutreinigung.

Geschichte

Früher war das Vorkommen der Korn-Rade im Getreidefeld gefürchtet, denn die Korn-Rade ist in allen Teilen eine giftige Pflanze. Gelangten die Saponine der Pflanze über das Brotmehl in den menschlichen oder tierischen Körper, so konnte dies zu Schädigungen der Nebennieren führen.

Wurden früher die zulässigen Prozentanteile von 6% im Brotmehl überschritten, konnte es durchaus zu Massenerkrankungen mit Vergiftungserscheinungen kommen. Um Mensch und Tier zu schützen, wurde die mechanische Saatgutreinigung eingeführt, die schließlich von weiteren Prüfmechanismen begleitet wurde. Damit nahm das Vermehrungspotential der Korn-Rade rapide ab.

Durch die Einführung kontrollierten Saatgutes und Qualitätssorten wurde die Pflanze völlig zurückgedrängt. In der DDR spielte sie bereits Anfang der 80er Jahre keine Rolle mehr, wurde aber in entsprechenden Veröffentlichungen noch als "aussterbendes, markantes, giftiges Unkraut des Wintergetreides" beschrieben.

Seit dieser Zeit bemühten sich Mitgliedern des Biologischen Arbeitskreises "Alwin Arndt" Luckau um den Erhalt der Korn-Rade.

Im Bereich des Bodendenkmals "Freesdorfer Borchelt" (slawischer Burgwall) südlich von Luckau wurde ein Ackerwildflorenreservat angelegt und auf historische Weise bewirtschaftet, denn nur so ist die Korn-Rade wie auch die anderen Wildflorenarten für künftige Generationen zu erhalten.

Der Biologische Arbeitskreis Luckau hat es geschafft, die Forschung und Bearbeitung dieser Ackerwildfloren über die Wendejahre zu retten, so dass der Standort noch heute in Augenschein genommen werden kann. Über die Erfahrungen bzw. Forschungen zur Korn-Rade und den anderen Ackerwildfloren kann in einem Buch von K. Arlt / W. Hilbig und H. Illig nachgelesen werden.

Möglichkeiten des Schutzes

Für den Schutz der ästhetisch wertvollen Pflanze bieten sich zwei Möglichkeiten.

Innerhalb der Feld- und Wegraine, die immer wieder von den Artenschützern eingefordert werden, ist der Schutz besonders wertvoll, da die Pflanze mit ihrem eigentlichen Lebensraum verbunden bleibt. Feld- und Wegraine können, vorausgesetzt, sie werden nicht wie eine Grünanlage behandelt und von Düngemitteln verschont, wichtige Lebensräume und Refugien sein.

Wirksamer ist jedoch der Schutz in Feldflorenreservaten. Da dies durchaus eine Aufgabe für die Attraktivität des Ländlichen Raumes darstellen kann und von Interessierten/Enthusiasten auch innerhalb der Landwirtschaftsbetriebe durchgeführt werden könnte, lohnt es sich, über diese Art des Schutzes in der Region nachzudenken. Mit der Korn-Rade und anderen Wildflorenarten wird auch ein Stück bäuerlicher Lebens- und Arbeitsweise im Ländlichen Raum erhalten.

Vor dem Hintergrund der Aktivitäten der EU, die Roggenintervention abzuschaffen, rückt die Korn-Rade gleich ein 2. Mal in den Mittelpunkt. Jetzt braucht auch das ihr Lebensraum bietende Getreide Roggen unsere Hilfe. Also gilt es zu verknüpfen, was wir mögen, die Pflege bäuerlicher Kultur mit der ganzen Palette der Ackerwildkräuter und die kompetente wie pfiffige Vermarktung von Broterzeugnissen aus Roggenmehl.

Ein Wort an unsere Gartenfreunde

Die seltene Korn-Rade hat längst die Gärten erobert. Sie wurde hinsichtlich ihrer Blütenfarbe und ihrer seidig glänzenden Behaarung weiter bearbeitet.

Die Gartenform zeichnet sich durch eine kräftige purpurne Farbe der Blüten und durch die dichte leicht weißliche Behaarung von Stengel und Blättern aus.

Für die Blumenliebhaber bietet die Korn-Rade eine wunderbare Ergänzung im Stein- oder Sommergarten. Die Standortamplitude ist leicht nachzuempfinden; bevorzugt werden auch hier sandig-lehmige Bodenschichten, frei von Vernässung. Auch ein gehaltvoller Boden in sonnig-warmer Lage ist geeignet. Die Korn-Rade bietet einen sehr schönen Kontrast zu Gräsern und Mittags- und Studentenblumen. Mit ihrem Standortspektrum ist sie auch für den Steingarten geeignet.

Die Pflanzen, die Sie am besten im Fachhandel erwerben, sollten Sie auch nur im Garten oder in Pflanzungen am Haus verwenden.

Ein Aussetzen der bearbeiteten Formen in die Landschaft ist nach Maßgabe des Brandenburgischen Naturschutzgesetzes verboten. Eine vielleicht gut gemeinte Sache kann sich in das Gegenteil verkehren, da die bearbeiteten Formen die heimische Flora verfälschen (z.B. Anzahl der Chromosomen usw.)

Für alle Blütenliebhaber

Ein Besuch des Freesdorfer Borchelt kann im Juni empfohlen werden. Das Feldflorenreservat befindet sich im Naturpark Niederlausitzer Landrücken.

Quellen

[1] K. Arlt / W. Hilbig & H. Illig (1991): Ackerunkräuter - Ackerwildkräuter, Lutherstadt Wittenberg.
[2] Rote Liste der gefährdeten Farn- und Blütenpflanzen, Algen und Pilze im Land Brandenburg.
[3] Rote Liste der gefährdeten Tiere und Pflanzen in der Bundesrepublik Deutschland, erw. Neubearb., Greven.
[4] Düll, R. / H. Kutzelnigg (1992): Botanisch-ökologisches Taschenbuch, Heidelberg.
[5] Fitter, R. / M. Blamey (1986): Pareys Blumenbuch, Hamburg * Berlin.
[6] Laubner, K. / G. Wagner (1998): Flora Helvetica, Bern.
[7] MNUR Bbg (Hrsg.) (1999): Naturpark Niederlausitzer Landrücken -Flyer. Potsdam.
[8] Oberdorfer, E. (2001): Pflanzensoziologische Exkursionsflora, Stuttgart.

Zur Übersicht mit den Bäumen, Blumen, .. der vergangenen Jahre bis heute

Verweis


Ludwig Leichhardt - "Humboldt Australiens"


Seitenanfang

Startseite | Impressum | Inhaltsverzeichnis | E-Mail