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Der Mauersegler - Vogel des Jahres 2003

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Der Mauersegler (Apus apus (L.)) - Vogel des Jahres 2003

Kennzeichen

Mauersegler haben mit Schwalben eine gewisse Ähnlichkeit, daher auch oft als Turmschwalbe bezeichnet. Doch ist der Mauersegler deutlich größer als alle bei uns vorkommenden Schwalbenarten. Im Unterschied zu den Schwalben ist der ganze Vogel vollständig dunkel, rußschwarz, bis auf die weißliche Kehle. Der kurze Schwanz ist gegabelt. Wegen der langen und schmalen Flügel erscheint das Flugbild mondsichelförmig. "Apus" bedeutet soviel wie "fußlos". Die kurzen Füße, deren vier Zehen alle nach vorn gerichtet sind, taugen bestenfalls zum Anhängen und Festklammern an rauhen und senkrechten Flächen. Männchen und Weibchen gleichen sich in der Gefiederfärbung, die Jungvögel sind mehr schwarzbraun.

Stimme

Mauersegler fliegen oft im "Formationsflug" mit rasanter Geschwindigkeit um die Brutplätze herum und geben durchdringende und schrille "srie-srie" Laute von sich.

Verbreitung

Der Mauersegler bewohnt als Brutvogel ganz Europa, jedoch nicht Island und den äußersten Norden von Skandinavien. Sein Brutgebiet erstreckt sich außerdem durch Rußland bis ins östliche China. Die Nordgrenze des Verbreitungsgebietes ist eine von Archangelsk nach Peking verlaufende Linie. Die Südgrenze verläuft von Syrien bis zur Provinz Tschili im östlichen China.

Lebensraum

Der freie Luftraum ist der Lebensraum des Mauerseglers. Er verbringt sein ganzes Leben fliegend. In der Luft findet er alles was er braucht: Nahrung als "Luftplankton", Wasser schöpft er fliegend mit dem Unterschnabel, Nistmaterial als Flugsamen und Ähnlichem. Auch die Paarung findet im Flug statt, sogar die Übernachtung erfolgt im Luftraum, was durch Radarmessungen bewiesen werden konnte.

Nahrung

Die Zusammensetzung der Nahrung entspricht dem jeweiligen Angebot im Luftraum. Mit dem weit geöffneten Schnabel wird alles Erreichbare aus der Luft "gekeschert". Es sind über 500 Beutetierarten nachgewiesen, überwiegend Blattläuse, Fliegen, Hautflügler und Käfer mit 2 bis 10 mm Körperlänge. Entsprechend ist auch die Nahrung für die Nestjungen, die im Kehlsack als Futterballen gesammelt wird. Perioden mit ungünstigem, nasskalten Wetter und Nahrungsmangel während der Brut- und Nestlingszeit können mit einer Art "Hungerschlaf" überstanden werden. Dabei wird die Körpertemperatur und die Atmungsfrequenz abgesenkt.

Wanderungen

Der Mauersegler gehört mit zu den "pünktlichsten" Zugvögeln. Jahr für Jahr kommt er Ende April, Anfang Mai bei uns an und zieht Ende Juli, Anfang August wieder fort. Der Mauersegler überwintert im tropischen Afrika. Die größten Fundentfernungen beringter Vögel sind 10.720 und 10.370 km.

Fortpflanzung

Brutzeit in Mitteleuropa ab Mitte Mai und im Juni, ausnahmsweise auch noch später. Es findet nur eine Brut statt. Bei Verlust der Eier wird nachgelegt. Die Mauersegler brüten meist in kleinen Kolonien in Mauerlöchern, Nischen und hinter Fensterläden höherer Gebäude. Bisweilen brütet der Mauersegler in Baumhöhlen, in Nestern von Mehlschwalben oder in Nistkästen. Das Material für den Nestbau wird von Männchen und Weibchen ausschließlich im Fluge gesammelt (Papierschnitzel, Pflanzensamen, Halme, Gräser, Federn u.a.). Dieses Baumaterial wird mit dem an der Luft bald erhärtenden Speichel überzogen, wodurch sich eine feste Schale bildet. Das Gelege besteht aus 2 bis 3, ausnahmsweise 4 rein weißen, glanzlosen Eiern. Eiablage im Abstand von 48 Stunden; Brutbeginn nach Ablage des letzten Eies. Das Gelege wird von Männchen und Weibchen zu etwa gleichen Anteilen bebrütet. Brutdauer 18 bis 20 Tage, bei kühler Witterung bis zu 27 Tage. Beide Eltern füttern die Jungen mit Futter, das sie im Kehlsack herbeibringen. Die Jungen wachsen sehr langsam heran. In Abhängigkeit von der Temperatur und den Nahrungsbedingungen schwankt die Nestlingszeit zwischen 38 und 56 Tagen. Die Nestlingszeit ist damit außerordentlich lang. Junge Mauersegler müssen ja auch, wenn sie das Nest verlassen, sofort fliegen können.

Bestandssituation/Bestandsveränderung

In Mitteleuropa hat sich der Mauersegler, als ausgesprochener Kulturfolger, sehr eng dem Menschen angeschlossen. Schätzungen ergeben für:

- Brandenburg 18.000 - 37.000 BP (Brutpaare)
- Deutschland 500.000 - 600.000 BP
- Frankreich 1.000.000 BP
- Großbritannien 80.000 BP
- Schweiz 75.000 BP.

Ursprünglich sind Mauersegler Fels- und Baumbrüter, als direkter Nachbar des Menschen brüten sie aber heute innerhalb der Städte. Seit einigen Jahren ist ein deutlicher Rückgang zu beobachten. Sanierte Gebäude ohne Nischen und Spalten für Brutplätze wirken sich auf die Brutdichte aus.

Bestandsdichte

Genaue Angaben zu Bestandsgrößen von ganzen Städten sind selten. Nachfolgend einige Angaben deutscher Städte bezüglich Anzahl Brutpaare (BP) und Brutpaare je 10 Hektar BP/10 ha):

  Anzahl Brutpaare (BP) Brutpaare je 10 Hektar BP/10 ha)
Berlin 8.000 -22.000 1,6 - 4,6
Cottbus 1.500 - 2.000 0,95 - 1,27
Halberstadt 640 - 790 1,6 - 1,9
Halle 1.500 - 2.000 0,19 - 0,26
Hamburg 5.400 0,71
Leipzig 3.000 - 5.000 0,52 - 0,87

Gefährdung und Schutz

Der Mauersegler ist in erster Linie durch Nistplatzmangel infolge Sanierung von Gebäuden gefährdet. Es wird empfohlen, bei Neubauten oder Ausbesserungsarbeiten im Mauerwerk unter dem Dach, geeignete Hohlräume auszusparen. Diese Nisträume sollen nur an hohen (mindestens dreistöckigen) Gebäuden vorgesehen werden. Da die Art gesellig ist, können solche Niststätten zu mehreren beisammen liegen. Süd- und Ostwände sind zu bevorzugen. Wichtig ist freies Flugfeld vor der Öffnung.

Bemerkenswertes

Der Mauersegler verfügt über die gleichen Fähigkeiten wie Delphine und Wale: er kann nachts den "Autopiloten" aktivieren und sein Schlafbedürfnis im Fluge stillen. Durch die Luftübernachtung stehen dem Mauersegler riesige Steppen- und Savannengebiete als Nahrungsraum zur Verfügung. Wegen der Trockenheit sind diese Gebiete den größten Teil des Jahres zu insektenarm für Segler. Nur während der kurzen Regenzeit gibt es hier einen richtigen Insektenreichtum. Die Regenzeit wandert mit dem höchsten Sonnenstand und ist unter ITCZ (Inter Tropische Convergenz Zone) bekannt. Das "Winterquartier" der Mauersegler ist das ITCZ. Mit diesem wandernden Überflußgebiet ziehen sie bis zum südlichen Wendekreis und zurück. Sobald die ITCZ die südliche Sahara erreicht hat, verlassen die Mauersegler Afrika und fliegen in ihre Brutgebiete. Nach dem Ausfliegen der Jungvögel, fliegen sie eiligst in ihre ITCZ, die sich dann wieder am südlichen Sahararand befindet.

Quellen

[1] Jonsson, L.: Die Vögel Europas.- Kosmos-Naturführer, Stuttgart 1992.
[2] Kaiser, E.: Gedanken zur Luftübernachtung des Mauerseglers. - Orn. Jber. Mus. Heineanum 19: 131-135,Halberstadt 2001.
[3] Makatsch, W.: Die Vögel in Haus, Hof und Garten. - Neumann Verlag, Radebeul und Berlin 1957.
[4] Makatsch, W.: Die Eier der Vögel Europas.- Band 2, Neumann Verlag, Radebeul 1974.
[5] Noah, T. (in ABBO): Die Vogelwelt von Brandenburg und Berlin. - Natur & Text Rangsdorf 2001.
[6] Rutschke, E.: Die Vogelwelt Brandenburgs.- Jena 1983.

Text: Ursula und Wolfgang Prußkel

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Verweis


Ludwig Leichhardt - "Humboldt Australiens"


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