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Die Weißtanne - Baum des Jahres 2004

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Die Weißtanne (Abies alba) - Baum des Jahres 2004

Die Weißtanne (Abies alba), ist ein immergrünes Nadelgehölz. Die Gattung Abies, die ca. 50 Arten umfasst, gehört zu den Kieferngewächsen (Pinaceae). Weiterhin gehören zu den Kieferngewächsen neben der Kiefer auch Lärche, Fichte, Hemlocktanne und Douglasie.
Als Baum des Jahres wurde die Weißtanne vor allem wegen der bedrohten Lebensräume ausgewählt. Eine Hauptursache ist die hohe Luftverschmutzung, gegen die die Weißtanne im Gegensatz zu anderen bei uns heimischen Arten hochempfindlich reagiert.

Beschreibung
Wuchsform

40-50 m hoher Baum mit kegelförmiger, im Alter gerundeter Krone; Stammdurchmesser bis 3 m, im Freistand bzw. Einzelstand fast bis zum Grunde beastet.
Sie gehört zu den höchsten heimischen Baumarten. Die wohl größte gemessene Weißtanne war 68 m hoch und hatte ein Stammdurchmesser von 3,80 m. Die Weißtannen können sehr alt werden, 500-600 Jahre sind belegt. Die graubraune Stammrinde junger Bäume ist mit Harzblasen versehen; später mit dünner, hellbrauner bis silbergrauer Schuppenborke. Die Äste sind scheinquirlig etagiert, die oberen aufrecht, die unteren fast waagerecht oder etwas hängend, in einer Ebene verzweigt.

Blätter

Die Nadeln sind linealisch, dunkelgrün, unterseits blassgrün mit zwei silberweißen Spaltöffnungsstreifen, V-förmig aufgerichtet an den Trieben angeordnet. Sie sind 1,5-2,5 cm lang, 2-2,5 mm breit abgeflacht und an der Spitze abgerundet oder leicht eingekerbt. Die Lebensdauer der Nadeln beträgt 8-10 Jahre.
Sie fallen einzeln ab und hinterlassen kreisrunde Narben. Ein Wesensmerkmal ist, dass sich die nadellosen kahlen Zweige glatt anfühlen!

Blüten und Zapfen

Die Weißtanne ist einhäusig, getrennt geschlechtig und windblütig. Sie erreicht ihre Blühfähigkeit im Alter von 40-60 Jahren und blüht im Monat Mai-Juni an den Vorjahrestrieben im unteren und mittleren Bereich der Kronenspitze. Männliche Blüten sind walzenförmig, 2-2,5 cm lang, bis 6 mm breit und meist nach unten gerichtet. Die Pollenfarbe ist gelblich. Die weiblichen Blütenzapfen sind zylindrisch, 3-5 cm lang, 1 cm breit, hellgrün und aufrecht stehend auf der Oberseite kräftiger, vorjähriger Triebe. Männliche und weibliche Blüten kommen nur ganz selten auf demselben Zweig vor. Die Samenreife der Zapfen wird im 1. Jahr in den Monaten September-Oktober erreicht. Die Zapfen sind 10-15 cm lang, 3-5 cm breit und hell bis rotbraun. Die reifen Zapfen zerfallen nach der Samenreife und die verholzte Zapfenspindel verbleibt noch Jahre aufrecht stehend auf den Zweigen.
Die Samen sind 6-10 mm lang, 3-eckig mit deutlichen Herztaschen. Die Samenflügel sind asymmetrisch, 3-eckig, 8-10 mm lang, 6-7 mm breit und den Samenkörper im unteren Teil tütenförmig umfassend.

Verbreitung

Die Weißtanne kommt in Mitteleuropa von den deutschen Mittelgebirgen (besonders häufig in Vogesen und Schwarzwald) bis östlich von Minsk, von den Alpen - mit Ausnahme der Zentralalpen - bis in die Karpaten, südlich bis zum Balkan, in Italien, Ostfrankreich und in Spanien in den Pyrenäen vor. Für die Niederlausitz werden aus der Gegend von Finsterwalde und Lauchhammer Vorkommen erwähnt.
Der Anteil der Weißtanne am deutschen Wald beträgt heute nur noch ca. 2%! Im 17. Jahrhundert war sie gebietsweise im Fichtel- und Erzgebirge sowie im Thüringer Wald weitaus häufiger anzutreffen. Aufforstungen der Rot-Fichte ließen ihren Anteil drastisch schwinden. Schon seit Jahrzehnten beobachtet man das Absterben alter Bestände. Erste Berichte über das Tannensterben gehen bis in das Jahr 1886 zurück, welches in Sachsen durch Tannenläuse hervorgerufen wurde. Auch die Immissionsschäden wurden schon im frühen 18. Jahrhundert erwähnt. Schäden traten damals gehäuft in Bergbaugebieten mit Erzgruben sowie in der Umgebung von Glashütten auf.
Außer in reinen Tannenwäldern wächst die Weißtanne in natürlichen Tannen-Buchenwaldgesellschaften (Abieti-Tagetum) und in Fichten-Tannenwäldern (Abieti-Piceetum), wo neben der Fichte auch Lärche, Bergkiefer und Bergahorn anzutreffen sind.

Standorte

Die Weißtanne ist Schatten- und Humuskeimer.
Eine Naturverjüngung kann also auch im Bestand erfolgen. In den ersten Jahren wachsen die Jungpflanzen nur langsam. Das Wurzelsystem, aus einer kräftigen Pfahlwurzel und reichlich Seitenwurzeln bestehend, reicht tief in den Boden. Die Weißtanne verlangt einen nährstoffreichen, mittel bis tiefgründigen, frischen humosen und gut durchlüfteten Boden. Sie wächst weiterhin sehr gut in niederschlagsreicher spätfrostgeschützter Klimalage und kommt vom Hügelland bis zur subalpinen Region, vorwiegend in den Höhenstufen von 400 bis 1000 m, in den Pyrenäen hingegen bis 2000 m vor.

Andere Arten

Weitere bei uns bekannte Arten sind die aus dem pazifischen Raum Nordamerikas stammende Colorado-Tanne (Abies concolor), ebenso die Riesen-Tanne (Abies grandis), die aus dem Kaukasus stammende Nordmann-Tanne (Abies nordmanniana) und die in unseren Gärten sehr beliebte Korea-Tanne (Abies koreana).

Wirtschaftliche Bedeutung

Heute hat die Weißtanne, bedingt durch ihre Empfindlichkeit gegenüber den Umweltveränderungen, kaum noch Bedeutung. In Dänemark wird sie forstwirtschaftlich als Weihnachtsbaum verstärkt neben der Nordmanntanne angebaut. Als Parkbaum war sie in Deutschland nie von Bedeutung. Das Holz der Weißtanne ist gelblich bis grauweiß, weich-elastisch und trocknet sehr schnell, ohne stark zu schwinden. Da es sehr wenig quillt, ist es deshalb bei länger anhaltender oder wechselnder Feuchtigkeit für den Erd- und Wasserbau sowie für Dachschindeln bestens geeignet. Wegen der sehr guten Resonanzeigenschaft hat es im Musikinstrumentenbau einen hohen Stellenwert. In der Volksmedizin wurden die Nadeln früher wegen des in ihnen enthaltene Glykosid Conifirin als Appetit anregender Tee genutzt.

Die Tanne in der Erdgeschichte

Die Tanne tritt schon im Alttertiär auf (ab Obereozän vor ca. 40 Millionen Jahren). In den Ablagerungen des Jungtertiärs der Ober- und Niederlausitz, u.a. Tgb. Klettwitz, Großräschen und Crinitz, kommen gehäuft Samen (Abies resinosa) und Nadeln (Abies sp.) vor, die zur heutigen Weißtanne Beziehungen haben.
Auch im Blätterton von Wischgrund bei Lauchhammer, dessen Flora im Tertiärwald (im Cottbuser Spreeauenpark) - einem botanischen Garten der Erdgeschichte - mit heutigen Gehölzen nachgestaltet wurde, ist die Tanne durch Pollen belegt. Deshalb wird 2004 zum Tag des Baumes vom Naturwissenschaftlichen Verein der Niederlausitz im Tertiärwald eine Weißtanne gepflanzt.
Während des Quartärs zog sich die Tanne in den Kaltzeiten nach Südeuropa (Spanien, Italien, Balkan) zurück, in den Warmzeiten wanderte sie dann wieder in unser Gebiet ein. So haben wir in der Niederlausitz im jüngeren Teil der eemzeitlichen Ablagerungen von Schönfeld Pollen- und Samenbelege und in denen von Klinge Pollenbelege (vor reichlich 100.000 Jahren).

Tannen-Nadeln aus dem Tgb. Klettwitz, ca 10 Mill. Jahre alt

Quellen

BENKERT (1998):Verbreitungsatlas
der Farn- und Blütenpflanzen Ostdeutschlands
BUCHER (6/1999): Enzyklopädie der Holzgewächse
HECKER (1998): BLV Handbuch
Kosmos Baumführer (1990)
MAI (2000) Palaeotographica Nr. 256
ROTHMALER (1994): Exkursionsflora von Deutschland
Urania Pflanzenreich (1995)

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Der Tertiärwald ist eine Außenanlage der Geologischen Abteilung des Museums der Natur und Umwelt Cottbus und des Naturwissenschaftlichen Vereins der Niederlausitz e.V..

In einer seit 1995 öffentlich zugänglich gemachten Nachgestaltung wird eine Landschaft gezeigt, wie sie zur Bildung der Braunkohle in der Niederlausitz bestand. Alle verwendeten Pflanzen sind, wenn nicht in der Art, dann mindestens in der Gattung wissenschaftlich belegt.

Verweis


Ludwig Leichhardt - "Humboldt Australiens"


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