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Das Alpenglöckchen - Blume des Jahres 2003

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Das Gemeine Alpenglöckchen (Soldanella alpina L.)

Für das Jahr 2004 wurde das Gemeine Alpenglöckchen Soldanella alpina aus der Familie der Primelgewächse (Primulaceae) zur Blume des Jahres gewählt. Es steht stellvertretend für die alpine Pflanzenwelt, die durch Freizeitaktivitäten wie Mountainbiking oder Skilaufen stark gefährdet ist.
Das Gemeine Alpenglöckchen heißt im Volksmund auch Soldanelle oder Troddelblume. Weil es neben und manchmal sogar unter Schnee und Eis blüht, wird es auch Schneeglöckel, Eisglöckel und Schneenagelen genannt. Der lateinische Name Soldanella stammt wahrscheinlich von dem lateinischen Wort solidus (kleines Geldstück), das im italienischen Ausdruck soldo seine Entsprechung hat und von den vollkommen runden Blättern des Kleinsten Alpenglöckchens Soldanella minima abgeleitet ist. Die übrigen Arten haben dagegen mehr rundlich-nierenförmige Blätter.

Beschreibung

Das Gemeine Alpenglöckchen ist eine ausdauernde Pflanze, die von April bis Juli blüht. Es hat ein kurzes faseriges Rhizom und ledrige, fettig glänzende Blätter an 1 bis 3 cm langen Stielen in einer Grundrosette. Die 1 bis 3 cm breiten Blätter sind mehr oder weniger kreisrund mit abgerundetem oder herzförmigem Grund. Aus dem Zentrum der Rosette erhebt sich der aufrechte oder aufsteigende Stängel mit 2 bis 4 endständigen, nickenden Blüten, die an 5 bis 10 mm langen, flaumig behaarten Stielen stehen. Der röhrige Kelch ist tief in 5 Lappen geteilt. Die 1 bis 1,5 cm lange, weit offene, glockige Krone ist bis zur Hälfte in zahlreiche linealische Zipfel gespalten. Sie ist blauviolett oder lila gefärbt, selten weiß. Der Stempel ragt über die Krone hinaus.

Vermehrung

Die Vermehrung des Gemeinen Alpenglöckchens erfolgt größtenteils durch Insektenbestäubung, teilweise aber auch durch Selbstbestäubung.
Hauptsächlich Hummeln und Falter sammeln den Nektar, der am Grund des Fruchtknotens abgesondert wird. Der Nektar wird durch Schlundschuppen geschützt. Die Insekten klammern sich zuerst an der Krone fest und biegen sie durch ihr Gewicht herab. Dabei stoßen sie mit dem Kopf an die Narbe und streifen den von anderen Blüten mitgebrachten Pollen ab. Während sie mit ihrem Rüssel zwischen Staubbeuteln und Griffel oder auch den Schlundschuppen den Nektar saugen, fällt ihnen durch die von ihnen verursachte Erschütterung der Blütenstaub auf den Kopf und wird dann wiederum zur nächsten Blüte transportiert.

Besonderheiten

Das Gemeine Alpenglöckchen kommt vorzugsweise in der hochalpinen Region vor. Es ist an die nur kurze schneefreie Zeit von durchschnittlich 2 ½ bis 4 Monaten angepasst. Während der kurzen Zeit zwischen Schneeschmelze und erstem Schneefall muss es den gesamten Lebenskreislauf von der Knospe bis zur Samenreife abschließen. Es hat wie viele andere Alpenpflanzen die Fähigkeit, schon bei sehr geringen Temperaturen zu assimilieren. Schon bei ca. 0 °C setzt starke Photosynthese ein, die wahrscheinlich durch den hohen Zuckergehalt des Zellsaftes ermöglicht wird. Auch die vom Vorjahr gespeicherten Vorratsstoffe in den dicken ledrigen Blättern und im Wurzelstock tragen dazu bei, dass die Blüten zeitig entwickelt werden können. Schon unter dem Schnee sind sie vollständig vorgebildet wie bei vielen anderen Frühjahrsblühern.

Standort

Das Gemeine Alpenglöckchen ist eine bestandsbildende Pflanze. In Höhen von 500 bis 3000 m über dem Meeresspiegel wächst es auf kühlfeuchten Weiden und Matten, besonders auf alpinen Fettwiesen, aber auch in Schneetälchen und im lichten Bergwald. Es bevorzugt kalk- und nährstoffreiche Böden.

Verbreitung

In allen europäischen Gebirgen von den Pyrenäen über Jura, Auvergne, Schwarzwald, Alpen, Apennin bis in die Illyrischen Gebirge ist das Gemeine Alpenglöckchen weit verbreitet.

Weitere Arten

Das Zwerg-Alpenglöckchen Soldanella alpicola unterscheidet sich vom Gemeinen Alpenglöckchen deutlich durch seine geringere Größe von 3 bis 10 cm. Außerdem hat es nur eine Blüte (selten zwei), deren blass rotviolette, etwas bauchige Krone nur am Rand zerschlitzt ist. Es blüht im Juni und Juli und wächst auf tonigen oder tonig-sandigen, kalkarmen und sauren Humusböden an lange von Schneewasser durchfeuchteten Stellen in Höhen von 1500 bis 3000 m. Die Pflanze ist nicht direkt kalkfeindlich, aber sie siedelt sich auf Kalkgestein erst dann an, wenn der Kalk weitgehend ausgelaugt ist. Das Zwerg-Alpenglöckchen kommt nicht so häufig vor wie das Gemeine Alpenglöckchen und ist in den Westalpen und im Apennin verbreitet.
Das Kleinste Alpenglöckchen Soldanella minima ist der kleinste Vertreter der Gattung Soldanella. An einem 3 bis 6 cm hohen Stängel hängt nur eine helllila bis weißliche Blüte. Der Kronensaum ist fast bis zur Hälfte unregelmäßig in linealische Lappen gespalten.
Es blüht von Mai bis Juli an kalkhaltigen, humosen, etwas feuchten Standorten auf Schutt- und Schneeböden, aber auch in Felsritzen in 1500 bis 2500 m Höhe. Sein Verbreitungsgebiet sind die Südlichen Kalkalpen und nur vereinzelt kommt es auch in den Nordalpen vor.

Soldanella austriaca Österreichisches Alpenglöckchen
Soldanella carpatica Karpaten-Alpenglöckchen
Soldanella cyanaster
Soldanella dimoniei
Soldanella hungarica Ungarisches Alpenglöckchen
Soldanella minima Zwerg-Alpenglöckchen
Soldanella montana Bergglöckchen
Soldanella pindicola
Soldanella villosa Pyrenäen-Glöckchen

Tipp für unsere Gartenfreude

Die besonderen ökologischen Bedingungen lassen erahnen, dass eine Kultur dieser Pflanze in der Lausitz nicht möglich ist. Auch für wissenschaftlich betreute Anlagen, alpine Steingärten (Alpinum) oder Botanische Gärten kann die Kultur von Alpenglöckchen durchaus eine Herausforderung an Standort, Bodensubstrat und Pflege darstellen. Wie an den natürlichen Standorten müssen die Chemie des Substrates, Temperatur, Besonnung und Wasserhaushalt stimmen.

Eine Entnahme dieser unter Naturschutz stehenden Pflanzen aus der Natur ist verboten und stellt eine schwerwiegende Ordnungswidrigkeit dar.

Quellen

DELLA BEFFA, M.T.: Der große Naturführer - Alpenblumen. Neuer Kaiser Verlag Klagenfurth, 1999.
HEGI, G.: Illustrierte Flora von Mitteleuropa. - J. F. Lehmanns Verlag München.
ROTHMALER, W.: Exkursionsflora von Deutschland. - Volk und Wissen Volkseigener Verlag Berlin, 1988.
SCHUBERT, W.: Alpenblumen. - Neumann Verlag Radebeul, 1969.
WENDELBERGER, E.: Alpenblumen. - Neuer Kaiser Verlag Klagenfurth.
ZANDER, R.: Handwörterbuch der Pflanzennamen. - Ulmer Verlag Stuttgart, 2000.

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Verweis


Ludwig Leichhardt - "Humboldt Australiens"


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