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Naturwissenschaftlicher Verein der Niederlausitz e.V. mit Sitz in CottbusNaturwissenschaftlicher Verein der Niederlausitz e.V. mit Sitz in Cottbus

Tertiärwald

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Tertiärwald
   
Eine umfangreiche Aufgabe haben sich das Museum der Natur und Umwelt Cottbus und der Naturwissenschaftliche Verein der Niederlausitz e.V. in Zusammenarbeit mit der BUGA GmbH mit der Gestaltung und Betreuung der musealen Anlage im Spreeauenpark gestellt, zu der Tertiärwald, Findlingsallee, Mammutbaumstubben und Kohlemoor gehören.

Teil 1:
Niederlausitzer Tertiärwald

Teil 2:
Kohlemoor
Mammutbaumstubben
Findlingsallee

Teil 3:
Von der Idee zur Museumsanlage
Weiterführende Literatur


Niederlausitzer Tertiärwald

Der Tertiärwald stellt eine wissenschaftlich belegte Nachgestaltung der Flußlandschaft der Ur-Elbe dar, wie sie vor 10 Millionen Jahren in der Niederlausitz vorhanden war.

Blick in den Tertiärwald (Foto: I. Striegler)
Blick in den Tertiärwald
(Foto: I. Striegler)

 

Anregung für die Gestaltung des Tertiärwaldes ergaben Pflanzenfossilien aus dem Bestand des Museums der Natur und Umwelt Cottbus, die von Museumsmitarbeitern in den Braunkohletagebauen der Niederlausitz geborgen wurden und als Originale in der Sammlung des Museums vorliegen.

Das Besondere und Einmalige ist dabei die Idee der Nachgestaltung einer konkreten Fundstelle mit all ihren Biotopen und Besonderheiten.

(Abb. Fossiles Amberbaumblatt, Foto: Striegler)

Fossiles Amberbaumblatt, Foto: StrieglerDer Blätterton von Wischgrund (ehemaliger Ortsteil von Kostebrau bei Lauchhammer, 45 km südwestlich von Cottbus) ist innerhalb des Flußsystems der Ur-Elbe (miozäne Raunoer Schichten der Klettwitzer Hochfläche) in einem ruhigen Altwasserarm abgelagert worden, wo sich Pflanzenteile wie Samen, Früchte, Zapfen, Holz und vor allem Blätter und Nadeln, die von den Gewächsen der Umgebung ins Wasser gelangt sind, sehr gut erhalten haben.
Mehrere Tausend Tonplatten mit interessanten Pflanzenresten standen für die wissenschaftliche Untersuchung zur Verfügung, als deren Ergebnis wir wissen, wie die Wälder am Ufer der Ur-Elbe aussahen und welche Pflanzen im und am Wasser wuchsen.
Da die Bildung des Wischgrund-Tones während eines gemäßigten Klimas erfolgte, ist die in ihm eingeschlossene Pflanzenwelt ideal für eine Nachgestaltung mit heutigen Gehölzen geeignet.

Fossile Landschaft und Vegetation, die im Tertiärwald nachgestaltet wird

Der Altwassertümpel mit Wassernuß, Seerose und Schwimmfarn war von einem Schilf- und Riedgürtel umsäumt. In ganzjährig überschwemmten Senken, die nur bei extremer Dürre trocken fielen, bildeten Sumpfzypressen und Tupelobäume Sumpfwälder. Selbst Mammutbäume waren in etwas trockeneren Randbereichen anzutreffen. In häufig überschwemmten Uferregionen wachsende Pappeln und Weiden gehörten zur Weichholzaue. Den Fluß begleitete ein stark gegliederter, artenreicher Hartholz-Auwald, der vom jährlich wiederkehrenden Hochwasser des Flusses - verbunden mit erhöhtem Nährstoffeintrag - beeinflußt wurde, mit solchen für das heutige Mitteleuropa exotischen Bäumen wie Amberbaum, Fieberbaum (Sassafras), Kuchenbaum, aber auch Ahorn, Birne und Erle. In nährstoffarmen Bereichen breiteten sich Moorgebüsche aus, die überwiegend durch Gagelstrauch, aber auch Rosmarinweide und Heide bestimmt wurden, überragt von einzelnen Magnolien. Hier traten starke Schwankungen des Grundwasserstandes auf. In extrem trockenen Perioden kam es häufig zu Bränden, was ein Zuwachsen mit Bäumen verhinderte. Höher gelegene, nicht vom Hochwasser beeinflußte Hügel und Uferwälle trugen Buchen- und Eichen-Mischwälder. Im Buchenwald kamen als Unterwuchs Ahorn, Kopfeibe und Saphirbeere vor. Der Eichen-Mischwald wurde durch Eichenarten geprägt, die wir aus Deutschland nicht kennen, wie mehrere Arten mit kastanienartigen Blättern und eine zerreichenähnliche Form. Die gefundenen Eichelhütchen weichen durch ihre Dornen von unseren einheimischen ab. An den trockensten bzw. nährstoffärmsten Stellen wuchs die Kiefer.

 

Rekonstruktion der fossilien Flora von Wischgrund (Zeichnung: R. Striegler)
Abb.
Rekonstruktion der fossilien Flora von Wischgrund (Zeichnung: R. Striegler)
 


Die heutigen verwandten Arten der fossilen Pflanzen, die vor 10 Millionen Jahren gemeinsam in der Niederlausitz wuchsen, sind überwiegend in den sommergrünen Laub- und Mischwäldern (Buchenklima) der Nordhemisphäre, vereinzelt auch in den südlich anschließenden immergrünen Feucht- und Lorbeerwäldern (Virginia-Klima) verbreitet. So treffen wir ca. ein Drittel der Arten im östlichen bis südöstlichen Nordamerika, welches mit dem Stromgebiet des Mississippis auch ähnliche Landschaftsformen aufweist, ein weiteres Drittel in Ostasien und den Rest in Mittel- und Südeuropa sowie in Transkaukasien bis Nordiran an.
Im Tertiärwald sind deshalb Pflanzengesellschaften, die heute in unterschiedlichen Gegenden vorkommen, miteinander kombiniert.

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