Pressemitteilung zum 30-jährigen Jubiläum des Niederlausitzer Tertiärwaldes

Dieses Jahr begeht der Naturwissenschaftliche Verein der Niederlausitz e. V. das 30-jährige Jubiläum des Niederlausitzer Tertiärwaldes im Cottbuser Spreeauenpark.

Im Jahre 1987 wurden von Mitarbeitern der Abteilung Naturkunde des damaligen Bezirksmuseums Cottbus in der Spreeaue nördlich des Tierparks erste Gehölze für einen zukünftigen Tertiärwald gepflanzt. Hier sollte der Urwald nachgestaltet werden, der im Jung-Tertiär vor 10 Millionen Jahren in der Flussniederung der Ur-Elbe wuchs. Dazu wurden heutige Gehölzarten verwendet, die mit den damaligen Arten verwandt sind. Die Information darüber liefern fossile Pflanzenreste, vor allem Blätter und Nadeln, aber auch Samen, Früchte und Zapfen, die im Blätterton von Wischgrund bei Lauchhammer innerhalb der Sande der Ur-Elbe gefunden worden sind und sich in der Cottbuser Museumssammlung befinden.

im Tertiärwald
im Tertiärwald

Die wissenschaftliche Auswertung dieser umfangreichen Sammlung durch Ursula Striegler führte zu der Idee, die konkrete Situation der einmaligen, unter Wissenschaftlern auch international bekannten Fundstelle Wischgrund wieder aufleben zu lassen. Nach der Erarbeitung einer Konzeption erfolgte durch kontinuierliche Pflanzung die Entwicklung der Anlage unter Leitung von Ursula und Rolf Striegler. Unterstützung gab es vom damaligen Jugendklub „Ludwig Leichhardt“ am Bezirksmuseum Cottbus. Als 1990 der Naturwissenschaftliche Verein der Niederlausitz e. V. gegründet wurde, übernahm er die Betreuung. Es entstand der Arbeitskreis Tertiärwald, in dem sich fleißige Helfer heute noch wöchentlich treffen und sich ehrenamtlich mit viel Enthusiasmus um die spezielle Pflege, Betreuung und Gestaltung dieses künstlichen Urwaldes kümmern.
1995 wurde durch den damaligen Oberbürgermeister von Cottbus Herrn Kleinschmidt die Bundesgartenschau nach Cottbus geholt. Dafür war das Gelände an der Spree vorgesehen, in dem sich der entstehende Tertiärwald befand. Für die Gartenschau wurde er ein wichtiges regionales Element. Durch die Anlage von Wegen, der Wasserführung und Pflanzung von größeren Bäumen entwickelte er sich schnell zu einer ansehnlichen Anlage.

Sumpfzypressen
Sumpfzypressen

Jetzt wachsen auf einer Fläche von 1,75 ha über 750 exotische und einheimische Einzelgehölze und Gebüschgruppen in 120 verschiedenen Arten als Nachfahren der fossilen Pflanzen in folgenden nachgestalteten Pflanzengesellschaften:

  • Der Sumpfwald mit ganzjährig im Wasser stehend Sumpfzypressen, wie sie heute noch am Ufer des Mississippi und in den Everglades in Nordamerika anzutreffen sind, ist besonders eindrucksvoll. Es ist mit über 230 Exemplaren das größte Sumpfzypressenvorkommen Deutschlands.
  • Der Auwald, in dem Gehölzarten aus dem östlichen Nordamerika, Mitteleuropa, Ost- und Westasien wachsen, dient auch für anschauliche Hinweise auf die heutigen Problematik durch jährlich wiederkehrendes Hochwasser in den zugebauten Flussauen.
  • Der Buchenwald auf frischen Standorten auf ehemaligen Sandbänken und höheren Uferbereichen des Flusses oberhalb der Hochwasserlinie enthält einige subtropische Gehölze und zeigt Beziehungen zu Wäldern Nordamerikas und Ostasiens.
  • Der Eichenmischwald auf den trockensten Standorten besteht vor allem aus Gehölzen Ostasiens, aber auch Mittel- und Südeuropas bis Westasiens.

Besonders interessant ist das Vorkommen der Mammutbäume. Der heutige Küstenmammutbaum ist nur in der Sierra Nevada in Kalifornien im Bereich von Küstennebeln beheimatet, währen die vergleichbare Art im Jung-Tertiär auch in Mitteleuropa, u. a. in einem Gürtel vom Niederrhein über die Niederlausitz bis nach Polen in Randbereichen und trockneren Stellen von Sümpfen und Mooren wuchs.

Der Tertiärwald ist ein Arboretum der Erdgeschichte, bei dem Wissenschaft zum Anfassen erlebbar wird.
Das Einmalige und Besondere des Niederlausitzer Tertiärwaldes in Cottbus ist die Darstellung einer konkreten Landschaft mit ihrer Pflanzenwelt, die vor 10 Millionen Jahren in der Niederlausitz existiert hat und der direkte Zusammenhang mit der größten Sammlung von der durch den Bergbau verschwundenen paläobotanisch bedeutenden Fossilfundstelle Wischgrund bei Lauchhammer (11.000 Pflanzenfossilien aus dem Blätterton von Wischgrund), die sich in den Geologischen Sammlungen Cottbus befindet.
Der Tertiärwald wird noch ergänzt durch eine Rekonstruktion des Kohlemoors, durch einen fossilen Mammutbaumstubben und eine Findlingsallee.

Das Jubiläumsjahr begeht der Naturwissenschaftliche Verein mit verschiedenen Aktivitäten. Während einer Pflanzaktion zum Tag des Baumes im April wurden 20 Gehölze im Wert von 1000€ gespendet und gepflanzt, darunter eine Purpur-Erle durch den Cottbuser Oberbürgermeister Herrn Kelch, die von der Firma Alpina AG gespendet wurde.

Nach der Feierstunde für geladene Gäste werden am 16. September bei einem Rundgang durch den Tertiärwald ab 16 Uhr neue, von der Sparkasse Spree-Neiße gespendete Gehölzschilder eingeweiht.

Am 7. Oktober 2017 rückt der Tertiärwald in den Mittelpunkt eines Kolloquiums der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg unter dem Thema „30 Jahre Niederlausitzer Tertiärwald in Cottbus – Einblick in die Lebewelt der Kohlewälder“ mit Vorträgen und Exkursion in den Tertiärwald (Programm im Anhang).

Kolloquium „30 Jahre Niederlausitzer Tertiärwald in Cottbus - Einblick in die Lebewelt der Kohlewälder“
Kolloquium „30 Jahre Niederlausitzer Tertiärwald in Cottbus – Einblick in die Lebewelt der Kohlewälder“

Ebenfalls am 7. Oktober findet die traditionelle Veranstaltung „Herbst im Tertiärwald“ statt.

Pressemitteilung zum 30-jährigen Jubiläum des Niederlausitzer Tertiärwaldes